Top-Trend: #WOL – Working out Loud

Working Out Loud (oder #WOL, wie die Szene sagt) war im Jahr 2017 der wichtigste HR Trend. Und bleibt es 2018. Das ist wohl so, weil WOL ein bislang ungelöstes Problem in Unternehmen angeht. Die Bewegung will Kollaboration und Wissenstransfer ermöglichen und hilft dabei, schneller und innovativer zu werden. Das Faszinierende daran: WOL wird nicht von Personalvorständen vorangetrieben, sondern ist eine echte Graswurzelbewegung.

Was steckt hinter Working Out Loud?

Working Out Loud? Die Stimme erheben? Laut sprechen über seine Arbeit, womöglich über eigene Erfolge und Talente? Das hört sich ungewöhnlich an und liegt für viele Deutsche außerhalb ihrer Komfortzone. Weil ich mehr darüber erfahren wollte, was der Ansatz für den Einzelnen und Unternehmen bedeutet, habe ich mit Sabine Kluge gesprochen.

Sabine Kluge zählt zu den führenden deutschen Köpfen der WOL-Bewegung. Unter anderem ist sie mit der konzernübergreifenden WOL Community of Practise eine der Gewinnerinnen des HR Excellence Awards.

Hören Sie hier das ganze Interview mit Sabine Kluge

WOL bedeutet, wie mir Sabine Kluge berichtet, „die eigene Arbeit sichtbar zu machen und über die Sichtbarkeit andere einzuladen, von mir selbst zu lernen. Aber auch, mich mit dem Wissen der anderen zu bereichern, so dass auch meine Arbeit, meine Lösung besser wird.“

Sabine Kluge vertritt in unserem Gespräch eine These, die auch mich überzeugt: „Netzwerken ist die wichtigste Grundlage, um in der Arbeitswelt von morgen und übermorgen zu überleben.“ Working Out Loud hilft dem Einzelnen dabei. Denn bei WOL geht es genau darum: sich mit Menschen zu vernetzen, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen. Mit dem Ziel, Wissen zu teilen und voneinander zu lernen.

Dieses Thema bewegt auch viele Organisationen. Führungskräfte und HR-Abteilungen haben den Nutzen von Working Out Loud erkannt. Darum verwundert es nicht, dass sich WOL von einem rein individuellen Thema zu einer beliebten Methode in Unternehmen entwickelt hat.

Der Erfinder von WOL ist übrigens der Amerikaner John Stepper, bis 2016 angestellt bei der Deutschen Bank in New York. In einem Interview mit dem Personalmagazin macht er deutlich, was WOL ausmacht: "Es geht um Menschen und das, was sie antreibt. Man will die Kontrolle über sein Leben haben, man braucht Zuversicht und die Erfahrung der Selbstwirksamkeit. Und man will eingebunden sein – wir sind zutiefst soziale Wesen."

Im Video (links) erfahren Sie von John Stepper, wie die Working Out Loud Bewegung entstanden ist.

Working Out Loud: Ein vertrauensvolles Netzwerk entsteht

Erfahrene Netzwerker wissen es bereits: Zuerst kommt das Geben, dann erst das Nehmen. Eigentlich trivial, oder? Sabine Kluge stellt jedoch fest, dass wir in einer wettbewerbsorientierten Arbeitswelt nicht dazu sozialisiert wurden, Wissen (ohne Gegenleistung) zu teilen. Und genau hier kommt Working Out Loud ins Spiel, erklärt Sabine Kluge. Durch die Methode lerne man wieder, zu geben. Ohne Erwartungen oder Befürchtungen. Indem wir zuerst geben und anderen helfen, entstehen Vertrauen und Verbundenheit, die Basis für WOL.

Working Out Loud in Unternehmen

WOL findet man in immer mehr Unternehmen. Das liegt insbesondere daran, dass sich mit der Digitalisierung auch die Arbeitswelt radikal verändert. Unternehmen setzen auf Agilität und Vernetzung, wollen Silos abbauen, Wissen heben und dadurch schneller und innovativer werden. Mit WOL finden viele Unternehmen und Mitarbeiter einen passenden Weg, um dieses Ziel zu erreichen.

Eines der ersten Unternehmen, das auf den Gedanken und die Methode gesetzt hat, war übrigens Bosch. Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH, beschreibt in einem Interview den Mehrwert von Working Out Loud:

Uns ist wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter mit ihren Ideen und ihrer Expertise einbringen – unabhängig von Hierarchie, Funktion oder Kultur. Nur gemeinsam können wir die Chancen der vernetzten Welt nutzen. Working Out Loud unterstützt uns in dieser Entwicklung. Die Working Out Loud Circle Methode bietet Mitarbeitern unabhängig von der Hierachieebene die Möglichkeit, vernetztes Arbeiten zu erleben und die eigenen Fähigkeiten darin auszubauen. Damit unterstützt die Methode eine Lernkultur, die wir für den Wandel von Bosch brauchen.

Das ganze Interview zu Working Out Loud bei Bosch lesen Sie hier.

Working Out Loud – So funktioniert die Methode

WOL als Methode bietet einen strukturierten 12-Wochen-Plan. Jeder Teilnehmer eines WOL Circles bringt sein eigenes Ziel mit und baut Beziehungen auf. Auf der Webseite www.workingoutloud.com finden sich genaue Anleitungen für die 12 Wochen – auch in deutscher Sprache.

Sabine Kluge erklärt in unserem Gespräch, wie der Einzelne starten kann: „Suche dir drei bis vier nette Menschen in deinem Umfeld, die bereit sind, die 12 Wochen gemeinsam zu durchlaufen. Das bedeutet konkret, sich über 12 Wochen einmal in der Woche für eine Stunde zu verabreden. Das funktioniert persönlich, ebenso gut aber auch virtuell. Auf der Webseite sind die einzelnen Schritte glasklar beschrieben.“ Sollte es an Mitstreitern mangeln, so findet man in der WOL Facebook Gruppe Gleichgesinnte.

Und wie sieht es mit Working Out Loud in Unternehmen aus? Worauf sollten Führungskräfte bei einem Rollout achten?

Sabine Kluge empfiehlt, nicht gleich alles niet- und nagelfest machen zu wollen. KPIs und Prozesse seien nicht das Mittel der Wahl. Denn mit einem zu engen Korsett verfliege schnell die Magie des Ansatzes von Selbststeuerung und -verantwortung. Lassen Sie „das Pflänzlein wild wachsen“, wie die WOL-Expertin formuliert. Ihre Erfahrung zeigt:

Working Out Loud funktioniert nur freiwillig oder gar nicht.

 
Hinweis: Dieser Artikel ist in ähnlicher Fassung zuerst auf dem von Rundstedt Karriere-Blog erschienen.

Über die Autorin
 

Caterine Schwierz

Caterine Schwierz verfügt über rund 20 Jahren Erfahrung als Beraterin, Führungskraft und Entrepreneurin. Sie ist Partnerin bei von Rundstedt und verantwortete bis 2018 als Chief Operating Officer bei von Rundstedt die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Beratungsleistungen. Die Karriere- und Veränderungsexpertin beschäftigt sich intensiv mit den Trends in der Arbeitswelt und widmet sich in Publikationen und als Speakerin der Frage, wie sich Karrieren in Zukunft verändern werden.

E-Mail: schwierz@rundstedt.de