Digitalisierung im Mittelstand: Neue Wege führen weiter

von Christian Summa

Das Thema „Digitalisierung“ rangiert auf der Management-Agenda vieler mittelständischer Unternehmen weit oben. Sie wissen: Es geht um eine umfassende Transformation. Um sie lebendig werden zu lassen, kommt es auf die Führungskräfte an. Unternehmen sollten jetzt die richtige Führungsmannschaft aufstellen.


Dem deutschen Mittelstand geht es – noch – gut. Damit dies so bleibt, muss sich etwas ändern. Ich denke hier noch immer an einen Satz, den der ehemalige Kapitän der Fußballnationalmannschaft Philipp Lahm nach der verkorksten WM auf Facebook Richtung DFB ballerte: „Eine meiner wichtigsten Erfahrungen besteht darin, dass es praktisch unmöglich ist, zweimal auf dieselbe Weise erfolgreich zu sein.“

Alles anders durch digitalisierung

Was muss sich in mittelständischen Firmen ändern, damit sie erfolgreich bleiben? Eigentlich alles. Dafür sorgt vor allem die Digitalisierung mit der Wucht der kreativen Zerstörung. Im Zug von Prozessautomatisierung, KI und Big Data werden Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsmuster zerlegt und neu zusammengesetzt.

Es zeigen sich Märkte und Wettbewerber, an die viele nicht einmal gedacht haben. Und die gerahmte Strategie, die Unternehmenslenker gern an der Wand hinter ihrem Sessel aufgehängt haben, ist obsolet. Denn niemand weiß, wohin die Reise geht.

Wie verdienen wir morgen unser Geld?

Einerseits ist das Thema „Digitalisierung“ im Mittelstand angekommen. Andererseits ist vielen noch immer nicht klar, was dieses Thema für sie konkret bedeutet. Sie stehen vor der Frage: Wie verdienen wir morgen unser Geld?

Beantworten können diese Frage innovative Mitarbeiter, die in der Welt der Algorithmen zu Hause sind. Und kreative Leute, die keine neuen Antworten auf alte Fragen geben, sondern neue Fragen stellen und wortwörtlich neu-gierig sind. Dazu benötigen sie Freiraum, auch auf eigene Faust zu denken und zu handeln.

Weg mit dem Gängelband!

Diesen Freiraum bieten neue Organisationsmodelle und Arbeitsformen. Die klassische Pyramide wird dabei nicht einfach auf den Kopf gestellt; sie wird zu Netzwerken, virtuellen Projektteams und agilen Task Forces umgestaltet.

Gelingen kann diese Transformation nur mit einer neuen Führungsarbeit. Führungskräfte sind gefordert, die digitale Transformation nach vorn zu bringen und ihre Mitarbeiter ohne Gängelband ihr Ding machen zu lassen.

Leseempfehlung: Sowohl Mittelstand als auch Konzerne stehen vor grundlegenden Transformationen. Über das Warum und Wie agiler Organisationen haben Kathrin Menges, bis März 2019 Vorstandsmitglied bei Henkel, und Sophia von Rundstedt, Geschäftsführerin der v. Rundstedt & Partner GmbH, gesprochen. Das Gespräch haben wir für Sie aufgezeichnet.

> Zum Artikel "Agile Transformation bei Henkel und von Rundstedt"

„Command and control“ führt ins Aus 

So manches mittelständische Unternehmen pflegt jedoch noch eine Führungskultur, in der „oben“ gesagt wird, was Sache ist. Der Chef gibt die Richtung vor, und alle folgen seinem Kommando.

Diese Command-and-Control-Attitüde prägt dann meist die gesamte Führungsarbeit. In Zeiten, in denen alles in Bewegung ist und das wichtigste Ziel darin besteht, sich auch immer wieder neue Ziele zu setzen, führt diese Attitüde ins Aus.

Ein Ordoliberalismus für die Arbeitswelt

Also besser alles ausdiskutieren, bis ein Konsens erreicht ist? Wohl kaum! Denn wer dem Schlagwort „Demokratisierung der Arbeitswelt“ folgt, hat schnell ein Problem: Bevor Entscheidungen getroffen sind, hat sich die Wirtschaftswelt weitergedreht. Der Markt wartet auf keinen.

Die Lösung liegt darin, Mitarbeitern einen verbindlichen Rahmen aus Werten, gemeinsamen Regeln und begeisternden Vorhaben zu geben, in dem sie ihr Potenzial produktiv machen können. Wir brauchen einen Ordnungsrahmen, der den internen Wettbewerb der Ideen fördert und Freiheit für Verantwortung gibt.

Mit Retention und Redeployment nach vorn 

Die Führungskräfte sind gefordert, diesen Rahmen zu gestalten und darauf zu achten, dass sich ihre Mitarbeiter darin engagieren. Führungskräfte müssen sich dazu als Entscheider und Hüter der Governance genauso beweisen wie als Coaches, Moderatoren und Netzwerker.

In Zeiten organisatorisch-technischer Umbrüche, wechselnder strategischer Initiativen und agiler Arbeitswelten kommt es vor allem darauf an, dass die Führungskräfte Mitarbeiter zu dauerhaft loyalen Mitstreitern machen und ihnen auch neue Perspektiven geben: Retention und Redeployment flankieren die digitale Transformation.
 

Leseempfehlung: Was bedeutet die Digitalisierung für den HR-Bereich? Im Interview mit Caterine Schweirz antwortet Prof. Dr. Jutta Rump: "Die Rolle von HR wird ganz klar nicht mehr in den Standardprozessen liegen. Für alles, was ein Algorithmus lösen kann, brauche ich keinen HR-Experten mehr. Aber HR wird nicht verschwinden."

> Hören Sie hier den 30-minütigen Podcast zum digitalen Wandel.

Sind Ihre Führungskräfte bereit?

Wenn Sie sich die digitale Transformation auf die Fahnen geschrieben haben, brauchen Sie also Führungskräfte, die neu führen können. Und mal Hand aufs Herz: Sind Ihre Führungskräfte bereit? Sie sollten es jedenfalls herausfinden.

Beschreiben Sie dazu die Skills, die Ihre Führungskräfte brauchen, um mit ihren Teams erfolgreich zu sein. Und bewerten Sie Ihre Führungskräfte mit Blick auf diese Fähigkeiten. So sehen Sie, wer bereits in der Lage ist, den Wandel zu gestalten, wer an welchen Stellen besser werden und entsprechend qualifiziert werden sollte und für welche Aufgaben Sie vielleicht neue Leute brauchen.

Werden Sie zur treibenden Kraft

Der digitalen Transformation sollten Sie sich aus einem Grund stellen: Sie ist nicht aufzuhalten. Wenn Sie von ihr nicht getrieben werden wollen, sondern selbst zur treibenden Kraft werden möchten, dann formen Sie jetzt eine Führungsmannschaft, die mit den Mitarbeitern Ihres Unternehmens neue Wege gehen kann.

Philipp Lahm ist für sein Facebook Statement auch kritisiert worden. Doch mit einem hat er eben Recht: Man kann nicht zweimal auf dieselbe Weise erfolgreich sein.

Über den Autor
 

Christian Summa_Workforce Transformation und Personalabbau-Rundstedt

Christian Summa

Christian Summa ist Geschäftsführer der Rundstedt Transfer GmbH und Director Workforce Transformation bei von Rundstedt. Er leitet bundesweit die Kundenbetreuung in Restrukturierungen sowie Personalumbau- und -abbauprojekten. Der Diplom-Kaufmann verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als Führungskraft und Berater bei Restrukturierungs- und Change-Management-Projekten. Vor seinem Einstieg bei von Rundstedt war er in den Branchen Luft- und Raumfahrt sowie Automotive tätig.

Telefon: +49 173 5 49 18 36 E-Mail: summa@rundstedt.de

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