3 Fragen zur Zukunft der Transferberatung

Im Interview: Dr. Martin Mertes und Christian Summa

Der Bund Deutscher Unternehmensberater (BDU) hat zu Jahresbeginn die Grundsätze ordnungsgemäßer Transferberatung (GoTB) veröffentlicht. Die von-Rundstedt-Geschäftsführer Dr. Martin Mertes und Christian Summa haben diese federführend mitentwickelt. Was die Grundsätze leisten und welche Rolle Innovationen für das Transfergeschäft spielen, berichten beide im Interview. 


Qualitätsstandards für die Transferberatung

 
Der BDU hat 2022 die Grundsätze ordnungsgemäßer Transferberatung veröffentlicht. Welchem Zweck dienen die Grundsätze?

Dr. Martin Mertes: Uns war es ein großes Anliegen, dass sich Unternehmen und Mitarbeitende in unsicheren Zeiten darauf verlassen können, dass sie eine ausgezeichnete Transferberatung erhalten. Mit den Grundsätzen haben wir einen praxisbewährten Qualitätsrahmen geschaffen, der Orientierung und Sicherheit gibt. Der Bedarf ist heute größer denn je. Viele Unternehmen stecken in Transformationsprozessen, die sich auf lange Zeiträume erstrecken und die Belegschaften nachhaltig verändern, einschließlich des Abbaus von Personal.

Weil Firmen es sich gar nicht mehr leisten können, ihre Leute einfach auf die Straße zu setzen, ist die Transfergesellschaft in den letzten Jahren stark nachgefragt. 

Es gibt einen breiten Konsens darüber, dass es in einer Transformation keine Verlierer geben darf. Zu groß wäre der Schaden für die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeitenden und das Image als Arbeitgeber. Die Transfergesellschaft trägt dazu bei, dieses Ziel zu erreichen – wenn sie die von uns beschriebenen Qualitätsmerkmale erfüllt.

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Für viele Unternehmen gilt: Entweder sie sind innovativ oder sie verschwinden irgendwann vom Markt. Welche Rolle spielen Innovationen in der Transferberatung? 

Christian Summa: Die Transfergesellschaft muss mit den Entwicklungen des Arbeitsmarktes Schritt halten – und dessen Anforderungen an Jobsuche und Jobvermittlung ändern sich rasant. Beispielsweise sind neben fachspezifischen Qualifikationen heute grundsätzlich digitale Skills in nahezu allen Berufsgruppen, Branchen und Hierarchieebenen unerlässlich. Oder nehmen Sie den Bewerbungsprozess: Die ausgedruckte Bewerbermappe ist digitalen, teilweise KI-gestützten Auswahlprozessen gewichen. Die klassische Transfergesellschaft, wie sie noch vor fünf bis zehn Jahren praktiziert wurde, hat darum ausgedient.

Transferberatungen müssen also zwangsläufig innovativ sein, um ihre Klienten erfolgreich vermitteln zu können. 

Funktions- und branchenspezifische Arbeitsmarktanalysen sowie Skill-Gap-Analysen und entsprechend individuelle Qualifizierungsmaßnahmen sind genauso wichtig wie eine persönliche Beratung, die die Stärken des Einzelnen herausarbeitet und nachhaltig gute Arbeitsplatzchancen generiert.

Gleichzeitig ermöglichen heute virtuelle Lernplattformen und Beratungsformate eine Job-Unterstützung, die unabhängig von Zeit und Ort funktioniert. Und KI-gestützte Stellensuchen beschleunigen die Jobvermittlung spürbar. Hier gibt es große Unterschiede bei den Anbietern, das geht über die Grundsätze hinaus.

Transfergesellschaft im Arbeitnehmermarkt

 
Ob Ukraine-Krieg, Inflation, Lockdowns in China oder Energie-Embargo: Trotz mannigfaltiger Krisen ist der deutsche Arbeitsmarkt sehr stabil. Viele Unternehmen stellen ein und zahlen sogar höhere Gehälter. Ist die Transfergesellschaft damit nicht passé?

Christian Summa: Der Arbeitsmarkt zeigt sich tatsächlich trotz der aktuellen Rahmenbedingungen sehr robust und entwickelt sich zunehmend auch zu einen Arbeitskräftemangelmarkt. Jedoch entspricht Quantität selten der Qualität.

Menschen, die Ihren Arbeitsplatz verloren haben, finden nicht automatisch eine adäquate Position, nur weil viele Stellen ausgeschrieben sind. 

Als hinderlich bei der Jobsuche stellt sich oft eine Kombination mehrerer Faktoren dar, zum Beispiel Alter, Qualifikation, Betriebszugehörigkeit, Gehaltsvorstellung oder regionale Bindung. Das macht sich bei einem Stellenabbau in Unternehmen schnell bemerkbar: Weil die betroffenen Mitarbeitenden meist selbst auch wissen, dass Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht ideal sind, führen reine Abfindungslösungen ins Leere. Die Mitarbeitenden werden nicht aktiviert, sich zu verändern. Im schlimmsten Fall gehen sogar die Falschen.

Eine wertige Transfergesellschaft kann dieses Dilemma auflösen: Sie mobilisiert die richtigen Mitarbeitenden, den Schritt aus dem Unternehmen heraus zu gehen – weil sie eine echte Perspektive plus Sicherheit bietet. 

Dr. Martin Mertes: Der Aspekt der Sicherheit ist gerade in Krisenzeiten zentral. Bis zu 12 Monate werden Beschäftigte in der Transfergesellschaft von erfahrenen Bewerbungsprofis unterstützt – und erhalten in dieser Zeit weiterhin ein festes Gehalt. 

Die Transfergesellschaft ist jedoch auch aus einem weiteren Grund längst nicht passé: Sie leistet gerade in tiefgreifenden Transformationsprozessen einen wertvollen Beitrag. Wichtig ist, Instrumente wie die strategische Personalplanung, Weiterbildungsprogramme, interne Personalvermittlung oder Transfergesellschaften  so zu integrieren, dass die Workforce Transformation zum Nutzen des Unternehmens und der Beschäftigten gelingt.
 

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Über die Interviewpartner
 

Christian Summa_Workforce Transformation und Personalabbau-Rundstedt

Christian Summa

Christian Summa ist Geschäftsführer und Partner bei von Rundstedt. In seiner Rolle als Chief Consulting Officer leitet er bundesweit die Kundenbetreuung in Restrukturierungen sowie Personalumbau- und -abbauprojekten. Seit 2004 hat der diplomierte Betriebswirt als Partner und in verschiedenen Vertriebspositionen bei von Rundstedt die Beratungslösungen entscheidend weiterentwickelt, zuletzt als Director Workforce Transformation.  Seit 2020 teilt er sich die Geschäftsführung der Tochtergesellschaft Rundstedt Transfer GmbH mit Sophia von Rundstedt. Vor seinem Einstieg bei von Rundstedt war er in den Branchen Luft- und Raumfahrt sowie Automotive tätig.

Telefon: +49 173 5 49 18 36 E-Mail: summa@rundstedt.de

Dr. Martin Mertes

Dr. Martin Mertes ist Geschäftsführer und Partner bei von Rundstedt und verantwortet die Bereiche Finance und Operations. Bereits vor seinem Einstieg in die Geschäftsführung war er als Chief Financial Officer und Prokurist für die Bereiche Rechnungswesen, Controlling, IT und Personal verantwortlich. Als Vorstandsvorsitzender steht Dr. Martin Mertes zudem seit Januar 2021 dem Fachverband Outplacementberatung im Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) vor. Der promovierte Betriebswirt blickt auch auf eine langjährige Tätigkeit in einem Unternehmen der Mess- und Regeltechnik zurück. 

Telefon: +492118396353 E-Mail: mertes@rundstedt.de

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