Erfolgreich bewerben: Mit modernen Medien und klassischen Werten zum neuen Job

„Was hat sich beim Bewerben in den letzten zehn Jahren verändert?“, fragen viele unserer Klienten, die langjährig beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt waren.  Unsere Antwort: So Einiges. Und der Veränderungsprozess nimmt gerade erst richtig Fahrt auf.

Die Veränderungen der letzten zehn Jahre im Detail

Wir sind es ja gewohnt unseren Blick stets nach vorne zu richten. Was bringt die Zukunft? Welche Trends verändern den Arbeitsmarkt? Dennoch ist die Retrospektive hilfreich, denn gerade im Blick zurück zeigt sich das Jetzt manchmal umso deutlicher.

1. Die Form – Digital statt zum Anfassen

„Wer nimmt die Post mit?“, war früher ein Standardsatz zum Feierabend. Der Stapel fertig frankierter Bewerbungsmappen im Postausgang war durchaus ein normales Bild – bestehend aus ordentlich ausgedruckten Dokumenten auf 90 Gramm-Papier, mit einem ansprechend gestalteten Deckblatt.

Vor Kurzem fragte eine junge Kollegin, was in der Stellenanzeige denn mit „schriftlicher Bewerbungsmappe“ gemeint wäre und schaute ungläubig. Wie? Alles auf Papier ausdrucken und frankieren? Es handelte sich dabei um eine Stelle bei der Gemeindeverwaltung. Das erklärt so Einiges. Aber so bekam der Beamtenjob fast schon wieder einen exotischen Hauch.

Diskutieren viele gerade noch über die anstehende Digitalisierung, hat sie den Bewerbungsprozess bereits sehr stark verändert. Die Bewerbung per E-Mail und über Onlinedatenbanken ist schon längst gängiger Standard. Hinzu kommen Entwicklungen, die das Bewerben für den Interessenten zunehmend unkomplizierter gestalten sollen wie der schnelle Bewerbungsklick durch das Social Media-Profil.


2. DAS MEDIUM – NICHTS GEHT MEHR OHNE SOCIAL MEDIA

Dafür brauchen Sie aber erst einmal ein gut gestaltetes Social Media-Profil auf LinkedIN oder Xing. War dies vor einigen Jahren noch ein „Nice to Have“ mit Aha-Effekt, gehört es inzwischen nicht nur zum guten Ton, auf zumindest einer professionellen Businessplattform vertreten zu sein. Ein professionell gestaltetes Social Media-Profil ist auch Ausdruck eines zeitgemäßen Verständnisses der eigenen Karriere.

Ein solchens Social Media-Profil gibt IHnen nicht nur die Möglichkeit, sich direkt online zu bewerben, sondern Sie schaffen vor allem auch die Voraussetzung dafür, von Recruitern gefunden zu werden. Plattformen wie Experteer setzen seit 2005 auf das Prinzip, sich von Recruitern finden und ansprechen zu lassen.


3. Die Partner – Gefunden werden statt suchen

„Gefunden werden“ ist durchaus ein passendes Stichwort, wenn es um die Rolle der Personalberater im modernen Bewerbungsprozess geht. War der Weg in die neue Position über einen Personalberater fast ausschließlich für obere Führungskräften relevant, haben sich viele Dienstleister im Rahmen des zunehmenden Arbeitnehmermarktes der letzten Jahre auf den Bereich der Fachkräfte und des mittleren Managements spezialisiert. Fachkräfte sind in manchen Branchen zu heiß begehrter Ware geworden.


4. Die Quellen – Online statt Print

Rund 90% aller deutschen Unternehmen nutzen inzwischen den eigenen Internetauftritt zur Mitarbeitergewinnung und Veröffentlichung von offenen Stellen. Knapp gefolgt von Inseraten in Online-Jobbörsen mit 70%. Doch auch Agentur für Arbeit hat – entgegen der landläufigen Meinung – einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert bei der Suche nach passenden Stellen. Die Bedeutung der Printmedien ist weit abgeschlagen hinter ihrer früheren Bedeutung und eher ein Marketinginstrument geworden als ein ernst zu nehmendes Recruiting-Medium.

Dafür haben die Unternehmen in den letzten Jahren den enormen Wert des Kontaktnetzwerks ihrer eigenen Mitarbeiter entdeckt. Viele zahlen inzwischen beachtliche Prämien für eine erfolgreiche Empfehlung. Womit wir bei der nicht zu unterschätzenden Rolle des eigenen Netzwerks wären. Aber dazu später mehr.


5. Der Inhalt – Antiquiert: Angaben zu Eltern

Einer unserer Klienten wurde kürzlich nach dem Beruf der Eltern gefragt. Das mutet inzwischen sehr altmodisch an – fast schon befremdlich. Sind doch die erforderlichen persönlichen Angaben durch Inkrafttreten des AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) auf ein Minimum reduziert. Alter, Geschlecht und Familienstand müssen nicht mehr angegeben werden. Auch das Bild kann weggelassen werden. Was im englischsprachigen Raum schon lange üblich ist hat sich bei uns allerdings noch kaum durchgesetzt. Es wird wohl auch noch etwas dauern, denn wer Geschlecht, Bild und Alter weglässt, zählt zu den Ausnahmen und wird schnell verdächtigt, etwas vertuschen zu wollen – leider.


6. Die Sichtweise – Bunter Lebenslauf und stromlinienförmiger Werdegang

Ebenfalls an die Gepflogenheiten des anglikanischen Raums angepasst hat sich die Variante, dass vermehrt über einen Onepager gearbeitet wird und das Matching der fachlichen Kompetenzen Vorrang hat vor der Sichtung eines ausführlichen und abgestimmten Bewerbungsschreibens.

Unsere Erfahrung zeigt auch, dass sogenannte Lücken und Brüche im Lebenslauf kein KO-Kriterium mehr sein müssen. Im Gegenteil: Charakter, Selbstbewusstsein, Entwicklungsfähigkeit und Vielseitigkeit sind gefragt. Auch ein Branchenwechsel und gelebte Weltoffenheit im Rahmen eines Sabbaticals punkten heute manchmal mehr als ein absolut stromlinienförmiger Werdegang.

In Zeiten zunehmend beschleunigten Wandels und abnehmender Halbwertszeit von Fachwissen achten die Unternehmen mehr auf den sogenannten Social Fit als auf Kompetenzen, die sich der Bewerber im Bedarfsfall noch aneignen kann.

So könnte nun der Eindruck entstehen, dass eine Bewerbung heute sehr viel unkomplizierter und lockerer geworden ist als zu Zeiten des handschriftlichen Anschreibens. Doch ist auf der anderen Seite der Anspruch an die Professionalität einer Bewerbung extrem gestiegen. Der Bewerbungsprozess gerät immer mehr auch zum Selbstmarketingmarathon auf allen verfügbaren Kanälen.

Was bleibt?
Ein gutes Netzwerk ist unschlagbar

Die Bedeutung des Networking ist so aktuell wie eh und je. Nach wie vor ist ein gut gepflegtes persönliches Netzwerk der größte Turbo für die eigene Karriere. Fragen wir unsere Klienten, sind die Impulse durch das eigene Kontaktnetz noch immer einer der meistgenannten Erfolgsfaktoren zum neuen Job. Dies steigt mit der Höhe der Position. Lediglich die technischen Hilfsmittel fürs Networking haben sich erweitert. Doch nach wie vor ist individuelle Ansprache und ein persönlicher Kontakt gefragt – Digitalisierung hin oder her. 

Auch wenn die modernen Medien das Halten und Knüpfen von Netzwerkkontakten vereinfacht haben:
Es zählen weiter alte Werte wie Verbindlichkeit, Präsenz, Glaubwürdigkeit und aktives Engagement.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Digitalisierung gerade das WIE und WAS im Bewerbungsprozess als einer der ersten Bereiche in den letzten 10 Jahren intensiv beeinflusst und gewandelt hat.

Mit Blick auf die medialen Möglichkeiten sind alle Bewerber gut beraten, sich auf die Chancen und Anforderungen der neuen Techniken (Social Media, Videoclip, Skype-Interview etc.) einzulassen. Sie demonstrieren damit nicht zuletzt, dass sie als Arbeitnehmer  auf die digitale Arbeitswelt der Zukunft vorbereitet sind.

[Bildnachweis: ©iStock.com/shironosov, iStock.com/Prykhodov]

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