Karrierewechsel: So erfinden Sie sich mit 50 neu!

von Kirsten Ercolino

Flexibilität gehört zu den Schlagworten unserer Zeit. Auch ich bin überzeugt, dass dies eine Schlüsselkompetenz der Zukunft ist. Nicht nur um mit den permanenten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und in den Unternehmen Schritt zu halten zu können, sondern vor allem, um aktiv die Chancen zu nutzen und die eigene Karriere aktiv zu gestalten. Viele Optionen eröffnen sich dabei besonders für Menschen, die bereits schon einige berufliche Stationen hinter sich haben. Denn dadurch haben sie Kompetenzen erworben, die aufeinander aufbauen und sich ergänzen. Schaut man sich dazu die vielen neuen Aufgabenfelder und Jobs, die durch die Digitalisierung und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes entstehen, ergibt sich eine gute Ausgangsposition für Menschen ab 50, um sich beruflich neu zu orientieren.

Verschaffen Sie sich ein realistisches Selbst- und Fremdbild

Ich empfehle jedem, der im Berufsleben steht, immer wieder inne zu halten und für sich selbst zu reflektieren:

  • Erfüllt mich das, was ich gerade tue?
  • Welche wirklichen Erfolge hatte ich in den letzten Monaten und worauf bin ich stolz? (Lesen Sie auch unseren Artikel
  • Welche Fähigkeiten habe ich, worin bin ich gut? Welches Feedback bekomme ich von anderen?

Je mehr sich jemand mit sich selbst auseinandersetzt, sich immer wieder hinterfragt, desto klarer wird er in seinem Selbstbild und umso stimmiger sind Selbst- und Fremdbild. Und dann fällt es leicht, zu entscheiden, ob ich noch an der richtigen Stelle bin oder ich über einen Wechsel nachdenken sollte.

Lesetipp: PARs: Mit Erfolgsgeschichten bei der Bewerbung punkten 

Bereiten Sie Erfolgsgeschichten vor

Viele Personalverantwortliche kennen bereits die Vorteile der 50 Plus Bewerber: Sie sind sehr berufserfahren, verfügen über viel Fachwissen und sind in der Lage, auch in Stresssituationen einen kühlen Kopf zu bewahren und kluge Entscheidungen zu treffen. Sie haben schon viele Situationen erlebt und besitzen in der Regel gute Menschenkenntnisse. Trotzdem sollten Sie sich darauf einstellen, dass Sie eine gewisse Skepsis zerstreuen müssen.

Vorbehalte wie mangelnde Flexibilität oder veraltete Fachkenntnisse können Sie als älterer Bewerber im Vorstellungsgespräch gut widerlegen, wenn Sie authentisch ihre Stärken darlegen und die Aufgaben, die sie erfüllen, benennen können. Bereiten Sie sich darauf vor, diese mit Erfolgsstorys, zu untermalen. Diese Geschichten geben dem Interviewer das gute Gefühl, den Bewerber mit all seinen Talenten kennen zu lernen.

Bewerber 50 +: Geben Sie dem Interviewer das gute Gefühl, Sie mit allen Talenten kennenzulernen.

Veränderung gelingt nicht von heute auf morgen

Trotz guter Ausgangslage und einer optimalen persönlichen Vorbereitung auf die angestrebte Veränderung kann es durchaus einige Zeit dauern bis der Schritt gelingt. Denn auch die persönlichen und familiären Rahmenbedingungen spielen bei der Umsetzung eine große Rolle. Aus meiner Erfahrung ist vor allem die räumliche Mobilität entscheidend: Sind Sie und ggfs. Ihre Familie bereit, für einen neuen Job umzuziehen?

Je besser jemand auf eine Veränderung bereits vorbereitet ist, desto kürzer wird der Zeithorizont. Und Vorbereitung bedeutet in diesem Fall, sich immer wieder zu reflektieren, sein Netzwerk kontinuierlich zu pflegen und auszubauen und Veränderung mit Zuversicht und zielorientiert anzugehen. Dann klappt es auch mit ganz neuen Karriereoptionen  – jenseits der 50.

Über den Autor
 

Kerstin Ercolino - Outplacement und Newplacement Berater

Kerstin Ercolino

Kerstin Ercolino leitet als Senior Manager Career Coaching bei von Rundstedt das Berater-Team in Stuttgart. Die Wirtschaftspsychologin und Expertin für berufliche Neuorientierung begleitet seit über 15 Jahren Menschen bei der Entwicklung ihrer Karriere.

Ihr Karrieretipp: Zu tiefer Zufriedenheit verhilft nur eine Aufgabe, in der Sie Ihre Stärken, Talente und Werte einbringen können!