Restrukturierung: Wann ein Personalabbau für Unternehmen unausweichlich ist

Umstrukturierungen sind für Unternehmen häufig überlebensnotwendig. Digitalisierung, Globalisierung und demographischer Wandel sorgen für unvorhersehbare Zeiten – auch in der Geschäftswelt. Dabei gilt: Je weiter fortgeschritten die Krise ist, desto weniger Handlungsspielraum verbleibt. In welchen Situationen Sie Personal freisetzen sollten, oder sogar müssen, hängt von den strukturellen und finanziellen Defiziten ab.

Szenario 1: Personalabbau aufgrund struktureller Veränderungen

Soll mittels Umstrukturierung eine Strategie- oder Absatzkrise abgewendet werden, besteht in der Regel noch ein großer Spielraum für Entscheidungen. Oft erwirtschaftet das Unternehmen nach wie vor Gewinne und die Nachfrage ist stabil. Nichtsdestotrotz lässt sich in diesem Szenario ein Personalabbau oft nicht vermeiden, da durch strukturelle Veränderungen ein Personalüberhang entsteht.

Denken Sie beispielsweise an eine Situation, in der bestimmte Produktteile nicht mehr im eigenen Unternehmen produziert, sondern aus Kostengründen von Zulieferern gefertigt werden sollen. Oder an eine strategische Neuausrichtung mit einer Änderung der Angebotspalette. Ein weiteres Beispiel sind Merger & Acquisitions. Fusionieren zwei Unternehmen oder werden Business Units zusammengelegt, kommt es in bestimmten Bereichen zu einer Doppelung der Stellen, zum Beispiel in Marketing oder Buchhaltung.

Hinterfragen Sie die Strategie regelmäßig und reagieren Sie so schnell wie möglich auf Krisensignale.

Auch die Einführung neuer Technologien oder Effizienzprogramme aufgrund des globalen Wettbewerbsdrucks fallen in die Kategorie der strukturellen Veränderungen und können zu Personalfreisetzungen führen. Letzteres ist jedoch Mitarbeitern und Arbeitnehmervertretern oft schwer zu vermitteln, zumal kein akuter Handlungsdruck besteht wie bei einer Fusion oder Outsourcing von Produktionsteilen. In diesen Fällen reduzieren viele Unternehmen die Mitarbeiterzahl sozialverträglich und möglichst geräuschlos mittels Outplacement und Freiwilligenprogrammen.

Tipp: Vermeidbar ist ein Personalabbau zum Beispiel dann, wenn zeitgleich Planstellen in anderen Unternehmensbereichen aufgebaut werden. Dann kann Redeployment ein attraktiver Ansatz sein, um Mitarbeiter in ein neues Einsatzgebiet zu überführen.

Leseempfehlung: In einem Freiwilligenprogramm bieten Sie verschiedene Anreize für Ihre Mitarbeiter, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben und damit freiwillig aus dem Unternehmen auszuscheiden. Lernen Sie im Leitfaden mehr über die Vorteile, Arten sowie Vorgehensweise bei Freiwilligenprogrammen.

> Zum Leitfaden "Freiwilligenprogramm: Ein effektives Mittel bei Umstrukturierungen"

Szenario 2: Personalabbau aufgrund finanzieller Schwierigkeiten

Leider erkennen Unternehmen die Krisensignale oft nicht rechtzeitig, sodass die Strategie zu spät hinterfragt wird. Nämlich erst dann, wenn sich das Unternehmen bereits in einer handfesten Ergebnis- und Liquiditätskrise befindet. Folgt auf ein strukturelles Defizit ein finanzielles Problem, dann bleibt am Ende nur noch die Kostenvollbremsung. Ein Personalabbau ist nicht mehr zu vermeiden.

Wenn ein finanzielles auf ein strukturelles Problem folgt, ist der Trennungsprozess unausweichlich.

Anders verhält es sich in einer Situation, in der das Unternehmen mit vorübergehenden finanziellen Problemen zu kämpfen hat, jedoch strukturell im Grunde gut aufgestellt ist. Dann sollten Sie sich die Frage stellen: Können wir Einsparungen auch anders bewerkstelligen als über einen Stellenabbau?

Tipp: Bevor Sie Kündigungen aussprechen, um die Personalkosten zu reduzieren, sollten Sie stets Ihre Alternativen überprüfen. Diese ergeben sich zum Beispiel durch Betrachtung der Personalstruktur. In Betracht kommen Maßnahmen wir Arbeitszeitverkürzung, Teilzeitmodelle, Vorruhestands-Regelungen, Arbeitszeitkonten oder Tariföffnungen. Auch Freiwilligenprogramme sind ein probates Mittel, um einen verträglichen Stellenabbau zu realisieren.

Leseempfehlung: Wissen Sie genau, worauf Sie achten sollten, wenn es in Ihrem Unternehmen zu einem Stellenabbau kommt? Machen Sie sich mit den wichtigsten Erfolgsfaktoren und Fallstricken vertraut – und erreichen Sie sicher Ihre Abbauziele.

> Zum Fachartikel "Personalabbau: Erfolgsfaktoren und Fallstricke"

Faires Trennungsmanagement bei Personalabbau

Oft sind Umstrukturierungen und Entlassungen nötig, um dauerhaft erfolgreich und wettbewerbsfähig zu bleiben – manchmal sogar, um die Firma vor der Pleite zu bewahren. Ansätze wie Redeployment oder die Nutzung der natürlichen Fluktuation haben ihre Grenzen. Wenn alle alternativen Möglichkeiten zur Realisierung personeller Einsparungen ausgeschöpft sind, beginnt der Personalabbau. Indem Sie auf Outplacement bzw. Transfermaßnahmen setzen, verhindern Sie betriebsbedingte Kündigungen.

Das Trennungsmanagement sollte dabei für alle Beteiligten planvoll und fair ablaufen. Schließlich gilt es, das Unternehmen nach der Restrukturierung schnell zurück auf die Erfolgsspur zu bringen. Ein schlechtes Change-Management kann die erfolgreiche Neuausrichtung ungewollt behindern.

Tipp: Management und HR-Verantwortliche müssen sattelfest sein, wenn es um die Trennung von Mitarbeitern geht. Um Ihnen die Übersicht zu erleichtern, haben wir für Sie eine "Checkliste Mitarbeiterentlassung" mit den wichtigsten Themen rund um die Beendigung von Arbeitsverhältnissen zusammengestellt.

Über den Autor
 

Christian Summa

Christian Summa

Christian Summa ist Director Workforce Transformation und Partner bei von Rundstedt. Er leitet bundesweit die Kundenbetreuung in Restrukturierungen sowie Personalumbau- und -abbauprojekten. Der Diplom-Kaufmann verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als Führungskraft und Berater bei Restrukturierungs- und Change Management-Projekten. Vor seinem Einstieg bei von Rundstedt war er in den Branchen Luft- und Raumfahrt sowie Automotive tätig.

Telefon: +49 173 5 49 18 36 E-Mail: summa@rundstedt.de

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