DAS TRENNUNGSGESPRÄCH: 4 TYPEN, 4 REAKTIONEN, 4 HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

Aus der täglichen Arbeit mit Unternehmen wissen wir, dass Trennungsgespräche Führungskräfte oder Personalverantwortliche immer wieder vor eine große Herausforderung stellen. Dies liegt auch daran, dass die Reaktion des betroffenen Mitarbeiters nicht immer vorausgesehen werden kann. Kerstin Ercolino, Managing Consultant Operations bei von Rundstedt, gibt Tipps, wie man mit unterschiedlichen Reaktionstypen umgeht.

Reaktionstypen im Trennungsgespräch

Unterschiedliche Persönlichkeitseigenschaften rufen auch unterschiedliche Reaktionen hervor. Als Führungskraft oder Personalverantwortlicher müssen Sie viel Einfühlungsvermögen mitbringen, besonders bei einem einschneidenden Ereignis wie dem Verlust des Arbeitsplatzes. Die nachfolgend beschriebenen Reaktionsweisen kommen zwar alle nicht in Reinkultur vor, aber die Einteilung hilft, sich schon im Vorfeld unterschiedlichste Reaktionen zu vergegenwärtigen.

1. Der Beherrschte

Die Nachricht, plötzlich nicht mehr zum Unternehmen zu gehören, versetzt vielen Mitarbeitern einen schweren Schlag. Der Beherrschte reagiert ruhig und gefasst. Er gibt vor, schon längst mit der Trennung gerechnet zu haben.

Gefahr für Sie als Führungskraft
Sie glauben, die Botschaft sei angekommen und unterschätzen die Situation. Später wundern Sie sich vielleicht über die immense Reaktion bis hin zu einem Kündigungsschutzprozess.

Professioneller Umgang mit dem Beherrschten
Es ist wichtig, dass Sie sicherstellen, dass der Betroffene die Nachricht wirklich aufgenommen und verstanden hat. In diesem Fall kann es helfen, die Nachricht nochmal zu wiederholen oder sie neu zu formulieren. Bitten Sie den Betroffenen, wiederzugeben, was sie/er verstanden hat. Das mag im ersten Moment hart klingen, hilft jedoch allen Beteiligten mit der Nachricht zielorientiert umzugehen. Versuchen Sie auf keinen Fall, Emotionen „gewaltsam und mit aller Kraft“ in Gang zu setzen. Geben Sie der Situation Struktur, indem Sie zum Beispiel für den darauffolgenden Tag einen Folgetermin vereinbaren, um die nächsten Schritte zu besprechen. So zeigen Sie auch Ihre Wertschätzung gegenüber dem Gesprächspartner.

2. Der Emotionale

Die meisten Führungskräfte, die eine Trennung aussprechen müssen, haben Angst vor Mitarbeitern, bei denen eine Überreaktion zu befürchten ist. Dabei ist dieser Typ weder der „Gefährlichste“ noch der „Schwierigste“. Der Emotionale bringt seine Wut zum Ausbruch und verschafft sich Luft. Es kann durchaus passieren, dass er dabei unsachlich und persönlich wird.

Gefahr für Sie als Führungskraft
Es besteht die Gefahr, sich provozieren zu lassen. Man glaubt, sich verteidigen zu müssen.

Professioneller Umgang mit dem Emotionalen
Es ist verständlich, dass ein Trennungsgespräch Emotionen hervorruft. Wichtig ist, dem Betroffenen Zeit zu lassen, Ärger und Wut Ausdruck zu geben. Als Führungskraft müssen Sie Ruhe bewahren. Machen Sie deutlich, dass Sie die Aussagen zur Kenntnis nehmen, jedoch nicht die Entscheidungen des Unternehmens diskutieren werden. Es ist wichtig, dass Sie bei Ihrer geplanten Gesprächsstrategie bleiben.

3. Der Geschockte

Unangenehme Informationen können bei diesem Typus zu unerwarteten Reaktionen des Körpers führen. Er fällt entweder total in sich zusammen oder zeigt überhaupt keine Reaktion. Viele betrachten diese Mitarbeiter als einfache Trennungsfälle. Aber gerade sie neigen zu selbstzerstörerischen, nach innen gerichteten Aggressionen.

Gefahr für Sie als Führungskraft
Glauben Sie nicht, jemand könne eine schlimme Nachricht gut bewältigen, nur weil er kaum darauf reagiert oder still dasitzt und vor sich hinstarrt. Es könnte auch sein, dass Sie den Betroffenen bedauern und bemitleiden. Schuldgefühle können eher entstehen als bei den anderen Typen. Man läuft Gefahr, Konzessionen zu machen, die man eigentlich nicht machen wollte.

Professioneller Umgang mit dem Geschockten
Geben Sie dem Betroffenen Zeit, die Nachricht „sacken“ zu lassen. Halten Sie Schweigen und Gesprächspausen aus. Zeigen Sie echtes Mitgefühl und teilen Sie dem Betroffenen mit, dass seine Reaktion verständlich und angemessen ist. Als nächstes sollten Sie den Betroffenen unterstützen, indem Sie ihm die nächsten Schritte erklären und ihm damit Struktur geben.

4. Der Verhandler

Der Betroffene wird mit Wut, Enttäuschung und Beleidigtsein auf seine Entlassung antworten. Ziemlich bald jedoch wird er zu praktischen Fragen wie „Was wird die Firma für mich tun?“ und „Welche Unternehmensleistungen stehen mir zu?“ übergehen. Diese Menschen waren wahrscheinlich bereits auf die Trennung gefasst und haben sich schon wieder so weit gesammelt, dass sie sich um weiterbringende Maßnahmen kümmern.

Gefahr für Sie als Führungskraft
Eventuell empfinden Sie die Anschuldigungen gegen das Management der Firma gerechtfertigt. Und machen Konzessionen, die Sie später bereuen. Vielleicht lassen Sie sich auch in eine Diskussion über die anstehende Trennung verwickeln. Es kann auch passieren, dass Sie vom Verhandlungswillen des Betroffenen überrascht sind.

Professioneller Umgang mit dem Verhandler
Hören Sie sehr sorgfältig zu und beantworten Sie die Fragen des Betroffenen offen und klar. Halten Sie so viele Informationen wie möglich bereit und seien Sie sehr präzise in Bezug auf die weiteren Schritte.

Fazit: Bereiten Sie sich gut auf das Trennungsgespräch vor

Während des Trennungsgespräches sind genau die Gesprächstechniken gefragt, die eine Führungskraft tagtäglich auch zur Bewältigung anderer Aufgaben unter Beweis stellen muss. Besonders aber sollten Sie sich bei einem solch einschneidenden Erlebnis für den Betroffenen der Wichtigkeit „guter Kommunikation“ vor allem auf der Gefühl- und Beziehungsebene bewusst sein. Mit guter Gesprächsvorbereitung, einem ausreichenden Zeitrahmen und Einfühlungsvermögen dem Betroffenen gegenüber wird auch Ihr Trennungsgespräch ein professionelles Trennungsgespräch.

Unser Tipp: Die faire und wertschätzende Trennung der Mitarbeiter beginnt bereits beim Trennungsgespräch. Wie Sie sich optimal vorbereiten und das Gespräch souverän führen, lernen Sie in unserem Leitfaden.
> Zum Leitfaden "Trennungsgespräche souverän führen"

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