Jan Fiete Buschmann: Vom Profihandball in die Vertriebswelt

Eine Schulterverletzung besiegelte 2015 das vorzeitige Ende der Profi-Handballkarriere von Jan Fiete Buschmann. Der damals 34-Jährige befand sich zwar bereits auf der Zielgerade seines BWL-Studiums, hatte jedoch auf ein sportliches Comeback beim Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf hingearbeitet. Heute vertreibt er als Key Account Manager Medizingeräte für die Reha-Abteilungen von Profi-Sportvereinen und –verbänden. Christian Heppe, Managing Consultant bei von Rundstedt in Hannover, hat mit ihm über Karriereplanung im Profisport und die Karriere nach der Karriere gesprochen.

Ein Gespräch über die Karriere nach der Karriere

Christian Heppe: Hallo Fiete, wir sprechen heute noch einmal über Deinen Weg vom Profisport in die Vertriebswelt. Trotz harter Arbeit in der Reha war im Sommer 2015 irgendwann klar, dass ein Comeback im Sport nicht möglich ist. Ich kann mir vorstellen, dass das für Dich ein sehr schwieriger Moment war. Wer oder was hat Dir in dieser Situation geholfen?

Jan Fiete Buschmann: Das Gute war, dass ich nicht mehr Mitte 20 war. Ich hatte mich bereits damit beschäftigt, dass es mit dem Sport irgendwann vorbei sein wird. Und ich war schon auf der Zielgerade meines BWL-Studiums an der PFH Göttingen, das ich parallel zum Sport gemacht habe. Ich musste im Prinzip nur noch die Bachelor-Arbeit schreiben. Das habe ich dann bei Continental gemacht. Dann war der Übergang geschafft.

Es wäre deutlich schwieriger geworden, wenn ich ohne alles dagestanden hätte. Oder wenn die Verletzung sieben oder acht Jahre früher passiert wäre. Dann wäre ich vermutlich schon in ein Loch gefallen. Aber so hatte ich die Chance, mich vorher mit dem Thema Karriere-Ende und was danach kommt zu beschäftigen.

Christian Heppe: Du hast also bereits mit Ende 20 schon an einem Plan für die Zukunft gearbeitet. Viele andere Profis starten zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit ihren Vorbereitungen für die Zeit nach der aktiven Sportkarriere.

Jan Fiete Buschmann: Als ich mit dem professionellen Handball direkt in der ersten Liga gestartet bin, hat mein damaliger Verein darauf geachtet, dass ich auch eine Berufsausbildung mache. Dafür bin ich immer noch dankbar. Als junger Spieler hat man das ja gar nicht so im Blick, dass die Ausbildung zum Industriekaufmann, die ich damals gemacht habe, mir eine gewisse berufliche Sicherheit gegeben hat. Mit 29 Jahren habe ich dann das BWL-Studium angefangen, um für die Zeit nach der Karriere gerüstet zu sein.

Über Jan Fiete Buschmann

Jan Fiete Buschmann startete seine Profi-Handball-Karriere im Jahr 2000 bei GWD Minden. Parallel zu absolvierte Buschmann von 2003 bis 2006 eine Ausbildung als Industriekaufmann.

2009 wechselte er zum den Hannoveraner Recken, für die er bis zu seinem Karriereende 2015 nach Toren jagte. 2016 startete Jan Fiete Buschmann dann erfolgreich seine zweite Karriere im Vertrieb.

Christian Heppe: Warum gerade BWL? Hattest Du bereits ein bestimmtes Ziel vor Augen?

Jan Fiete Buschmann: Ich habe mich gefragt: Wie baue ich am besten auf die Ausbildung auf? Da war BWL das Naheliegende und das, was einem nach dem Abschluss das größte Portfolio an Jobs eröffnet. Auch wenn ich als Handballprofi vor der Schwierigkeit stand, dass die Ausbildung lang her war und ich eigentlich noch keine Einblicke in die richtige Arbeitswelt hatte. Ich wusste also nicht wirklich, was jetzt das Beste und Richtige für mich ist.

Christian Heppe: Wie hast Du dich dieser Frage dann genähert?

Jan Fiete Buschmann: In Zusammenarbeit mit meinem Verein, den Recken, habe ich versucht bei möglichst vielen Sponsoren ins Unternehmen und den Alltag reinzuschnuppern. Um so herauszufinden, wo ich mich sehe und was mir Spaß macht. Parallel dazu habe ich auch eine Karriereberatung bei von Rundstedt gemacht. Einfach um neue Denkanstöße zu bekommen und zu hören wie Experten für die Berufswelt mich sehen. Die verschiedenen professionellen Tests helfen natürlich dabei, einen Abgleich vom Selbst- und Fremdbild vorzunehmen.

Ich habe eine Karriereberatung gemacht. Einfach um neue Denkanstöße zu bekommen und zu hören, wie Experten für die Berufswelt mich sehen. 

Schnell war dann klar, dass ich einen Job finden sollte, der an meine sportliche Karriere andockt und in den ich meine Kontakte und Erfahrungen aus Profisport einbringen kann. In der Zeit der Karriereberatung kam dann auch erste Kontakt zu meinem heutigen Arbeitgeber.

Christian Heppe: Erzähl doch mal, was Du heute machst.

Jan Fiete Buschmann: Ich arbeite jetzt für Zimmer MedizinSysteme. Das ist ein Hersteller von Geräten zur physikalischen Therapie mit einem eigenen Bereich, der Sportvereine und Sportverbände, sowie als medizinischer Partner Großevents wie 2017 die Eishockeyweltmeisterschaft betreut.

Ich bin als Key Account Manager Ansprechpartner für alle Fragen rund den Einsatz der Geräte, aber auch von Verbrauchsmaterial wie Tape und so weiter. Ich bin sehr viel in Deutschland unterwegs und lerne immer wieder zu neue Kunden kennen, die sich in der Sportwelt bewegen. Das Interessante ist, dass man jeden Tag neue Menschen kennenlernt und sich wenig Routine einstellt.

von Rundstedt & die Hannoveraner Recken

Das von Rundstedt Team Hannover unterstützt die Recken der TSV Hannover Burgdorf seit 2015 als Regional Partner, unter anderem mit einer Karrierepartnerschaft. Jan Fiete Buschmann haben wir als ersten Spieler auf dem Weg in seine zweite Karriere begleitet. Aktuell erarbeiten wir mit Torwart Martin Ziemer berufliche Perspektiven für die Zeit nach seinem Ende seiner aktiven Sportlerkarriere.

Christian Heppe: Das klingt sehr spannend. Aber der Tagesablauf im Vertrieb unterscheidet sich mit Sicherheit stark von dem eines Profisportlers. Wie schwer ist Dir die Umstellung gefallen?

Jan Fiete Buschmann: Im Handball haben wir die ganze Woche auf einen Höhepunkt am Wochenende hin und auf das nächste Spiel. Das ist im Unternehmen natürlich anders. Aber das Tolle ist, dass ich mich bei meinen Kunden nicht verstellen muss, sondern ganz normal auf sie zugehen kann. Nach 15 Jahren im Trainingsanzug und Turnschuhen zur Arbeit, wäre die Umstellung jeden Tag Anzug und Krawatte sicher sehr extrem gewesen. Was sich nicht geändert hat: Es wird fast immer direkt geduzt. Das ist sehr angenehm, denn auch das bin ich noch aus meiner Profizeit gewohnt.

Mehr über Jan Fiete Buschmanns Weg

Ein weiterer Beitrag zum Karriereweg des ehemaligen Handball-Profis ist im Recken-Boten erschienen.

Die Umstellung wäre natürlich deutlich schwieriger geworden, wenn ich in einem komplett anderen Bereich arbeiten würde und jeden Tag von acht bis fünf am Schreibtisch sitzen würde. Wie früher im Sport ist auch heute mein Ziel immer besser zu werden, in dem was ich tue. Es ist die größte Belohnung, wenn man es schafft, ein solche Beziehung zum Kunden aufzubauen, dass man als Vertrauensperson wahrgenommen wird und nicht mehr nur als Außendienstler.

Christian Heppe: Dabei wünschen wir Dir weiterhin viel Erfolg. Vielen Dank für das Gespräch!

[Bildnachweis: ©iStock.com/shironosov, iStock.com/Prykhodov]

Über den Autor
 

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Christian Heppe

Christian Heppe ist Managing Consultant bei von Rundstedt in Hannover. In seiner Rolle als Projektkoordinator unterstützt er Unternehmen in der Planung und Umsetzung ihrer Personalumbau- und -abbauvorhaben. Der Diplom-Kaufmann und Diplom-Volkswirt verfügt über langjährige Erfahrung als Key Account Manager im HR Consulting für mittelständische Unternehmen sowie internationale Konzerne sowie über eine tiefgreifende Expertise im Talent- und Karrieremanagement.

Telefon: +49 511 45089613 E-Mail: heppe@rundstedt.de

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