Häufige Fragen zur Transfergesellschaft

Unternehmen setzen die Transfergesellschaft als Instrument ein, wenn sie Stellen streichen und Personal abbauen müssen. Sie ist ein eigenständiger Betrieb, in den die betroffenen Mitarbeiter nach Unterzeichnung des "Dreiseitigen Vertrags" übergehen. In der Transfergesellschaft haben sie Zeit und Budget für die berufliche Neuorientierung und Weiter-/Umqualifizierung.

Arbeitgeber wie Arbeitnehmer haben oftmals viele Fragen, bevor Sie sich für den Einsatz einer Transfergesellschaft oder den Übergang in die Transfergesellschaft entscheiden. Einige dieser Fragen beantworten wir hier.

Allgemeine Fragen

  • Was ist eine Transfergesellschaft (TG)?
    Transfergesellschaften sind Unternehmen, in denen Arbeitnehmer, die vom Verlust des Arbeitsplatzes bedroht sind, betreut und beraten werden. Ziel ist, die betroffenen Mitarbeiter vor Entlassungen zu bewahren und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt stark zu verbessern. In der TG können sich Mitarbeiter weiterqualifizieren und mithilfe von Karriereberatern auf den Arbeitsmarkt vorbereiten. Außerdem haben sie die Möglichkeit in Drittunternehmen im Rahmen von Praktika beschäftigt zu werden, um andere Jobprofile kennenzulernen. Ziel ist immer, dass die Mitarbeiter in der Laufzeit der TG in ein neues, passendes berufliches Umfeld finden. 
  • Wie lange dauert eine Transfergesellschaft in der Regel?
    Die Dauer der Transfergesellschaft wird durch die Vertragslaufzeit des Dreiseitigen Vertrags bestimmt, der zwischen Mitarbeiter, Arbeitgeber und TG geschlossen wird. Ist ein Sozialplan vorhanden, wird diese Laufzeit hier geregelt. Sie beträgt in der Regel die Länge der doppelten Kündigungsfrist. Ist die Kündigungsfrist zum Beispiel drei Monate, so beträgt die Dauer der Transfergesellschaft regelmäßig sechs Monate. Diese Zahl ist von Fall zu Fall unterschiedlich und nur ein Richtwert. 

    Gesetzlich darf eine Transfergesellschaft nicht kürzer als die Kündigungsfrist plus ein Monat sein. Die Förderung der Transfergesellschaft ist auf maximal 12 Monate limitiert. Sollte eine Transfergesellschaft über die Zeit hinaus andauern, übernimmt der Arbeitgeber die gesamten Kosten der Transfergesellschaft und Qualifizierung.

Fragen zum Übergang in die Transfergesellschaft

  • Wie verläuft der Wechsel in die Transfergesellschaft?
    Der Übergang erfolgt durch Abschluss eines so genannten Dreiseitigen Vertrages. Er bestätigt die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit dem früheren Arbeitgeber und besiegelt gleichzeitig das neue befristete Arbeitsverhältnis mit der Rundstedt Transfer GmbH. Der Dreiseitige Vertrag erhält seinen Namen aufgrund der drei Vertragspartner "Mitarbeiter", "Arbeitgeber", "Transferanbieter" – nicht aufgrund der Seitenanzahl. 
  • Muss ein Mitarbeiter in die Transfergesellschaft eintreten? 
    Der Übergang in die Transfergesellschaft ist ein Angebot des Arbeitgebers an die Mitarbeiter und damit freiwillig. Arbeitnehmer entscheiden selbst, ob Sie das Angebot mit Unterzeichnung des Dreiseitigen Vertrags annehmen.
  • Dürfen Mitarbeiter, die in Elternzeit sind, in die Transfergesellschaft eintreten?
    Grundsätzlich dürfen Mitarbeiter, die in Elternzeit sind, nicht in die TG eintreten. Sofern der Mitarbeiter in die TG eintreten möchte, muss er seine Elternzeit kündigen und eine Zeit lang wieder im Unternehmen beschäftigt sein. Im konkreten Fall sollte sich die/der betroffene Mitarbeiter/in an die Rundstedt Transfer GmbH wenden.
  • Dürfen Mitarbeiter mit Altersteilzeit in die Transfergesellschaft eintreten?
    Solange sich Mitarbeiter mit Altersteilzeit noch in der Ansparphase eines Zeitkontingents befinden, dürfen sie in die TG eintreten, da sie gekündigt werden könnten. Sobald sie freigestellt wurden, sind sie nicht mehr von Arbeitslosigkeit bedroht und können damit auch nicht in die TG eintreten. Ihre Bezüge wurden bereits in der Vergangenheit angespart. 
  • Dürfen Mitarbeiter mit befristeten Verträgen in die Transfergesellschaft eintreten?
    Mitarbeiter, deren Befristung frühestens im Folgejahr endet, sind berechtigt in die TG einzutreten.
  • Dürfen Mitarbeiter in die Transfergesellschaft eintreten, die während der Laufzeit der Transfergesellschaft das Rentenalter erreichen?
    Mitarbeiter, die im Zeitraum der TG das Rentenalter erreichen, dürfen in die TG eintreten. Die Laufzeit endet dann mit Erreichen des Regelrentenalters.
  • Gibt es Mitarbeiter, die nicht in die Transfergesellschaft eintreten dürfen?
    ​​​​​​Die Transfergesellschaft steht grundsätzlich allen Mitarbeitern offen, die unter den Anwendungsbereich des Sozialplans fallen. Ausnahmen sind zum Beispiel 450-Euro-Kräfte.

    Grundvoraussetzung für den Eintritt in die TG ist das Profiling. Nimmt ein Mitarbeiter nicht am Profiling teil, erfüllt er nicht die persönlichen Voraussetzungen für den Bezug von Transferkurzarbeitergeld.
  • Was ist das Profiling?
    Bevor Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft nach § 111 SGB Ill wechseln können, müssen sie an einem Profiling teilnehmen. Im Profilingseminar (auch Bewerberseminar genannt) erarbeiten die Mitarbeiter mit einem Berater ihre Qualifikationen und berufliche Zielvorstellung. Sie gewinnen Erkenntnisse bezüglich ihrer Fähigkeiten und Chancen auf dem aktuellen Arbeitsmarkt. Das Ergebnis wird mit der Bundesagentur für Arbeit geteilt. Ziel ist es, dass diese so früh wie möglich Informationen über „von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter“ erhält. Wenn diese Informationen bereitstehen, stoßen Berater und die Bundesagentur für Arbeit frühzeitig Vermittlungsaktivitäten an, um so drohende Arbeitslosigkeit zu vermeiden.

Fragen zu Anstellungsverhältnis, Gehalt und Urlaub

  • Gelten Arbeitnehmer in einer Transfergesellschaft als arbeitslos? 
    Die Mitarbeiter werden in ein befristetes und sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis bei der Rundstedt Transfer GmbH übernommen und sind damit nicht arbeitslos, sondern arbeitsuchend. Dieser Status muss vor Eintritt in die TG bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet werden. 
  • Wie hoch ist das Transferkurzarbeitergeld? 
    Das Transferkurzarbeitergeld beträgt 60 % (ohne Kind) und 67 % (mit Kind) des zuletzt bezogenen Nettogrundgehalts. In der Regel wird es vom Arbeitgeber aufgestockt, sodass Mitarbeiter in der TG regelmäßig bis zu 80 % des Nettogehalts plus ein Budget für Qualifizierungsmaßnahmen, das im Sozialplan festgelegt wird, erhalten.
  • Wird das Entgelt in der Transfergesellschaft besteuert?
    Das Transferkurzarbeitergeld ist steuerfrei – unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt. Das heißt, es wird selbst nicht besteuert, wird aber zur Ermittlung des Steuersatzes für das zu versteuernde Einkommen herangezogen. Gibt es einen Aufstockungsbetrag gemäß Sozialplan, ist dieser steuerpflichtig. Auch die Entgeltfortzahlung an Urlaubs- und Feiertagen gehört zum steuerpflichtigen Arbeitslohn.
  • Wie wirkt sich der Bezug einer Teilerwerbsrente auf die Höhe des Transferkurzarbeitergelds aus?
    Eine Teilerwerbsrente wirkt sich nicht auf das Transferkurzarbeitergeld aus.
  • Wie hoch ist der Urlaubsanspruch in der Transfergesellschaft?
    Der Urlaubsanspruch beträgt für zwölf Monate zwanzig Arbeitstage (Samstage, Sonntage sowie gesetzliche Feiertage am Einsatzort der TG sind keine Arbeitstage). Bei Arbeitnehmern, die unterjährig in die Transfergesellschaft übertreten bzw. austreten, wird der Urlaubsanspruch in der TG gemäß den Bestimmungen des Bundesurlaubsgesetzes ggf. anteilig gewährt. Schwerbehinderte Mitarbeiter erhalten fünf Tage Zusatzurlaub pro zwölf Monate.
  • Was passiert, wenn ein Arbeitnehmer krank wird? 
    Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen müssen bei der Rundstedt Transfer GmbH eingereicht werden. 

    Erkrankt der Mitarbeiter innerhalb der ersten vier Wochen nach Wechsel in die Transfergesellschaft, bekommt er Krankengeld. Erkrankt der Mitarbeiter zu einem späteren Zeitpunkt, wird ihm eine Entgeltfortzahlung bis zu sechs Wochen gewährt. Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld.

Fragen zu der Zeit in der Transfergesellschaft

  • Wie sieht die Beschäftigung in der Transfergesellschaft aus?
    In der TG arbeiten die Mitarbeiter nicht operativ. Die Arbeitszeit beträgt null Stunden. Mitarbeiter haben während der Laufzeit der TG Zeit, um sich mithilfe der Beratung aktiv auf die Arbeitssuche vorzubereiten, passende Jobangebote zu finden, Bewerbungsprozesse anzustoßen und Weiterqualifizierungsangebote in Anspruch zu nehmen. Die Beratung und die Jobvermittlung erfolgen durch die TG und die Bundesagentur für Arbeit. Relevante Qualifizierungsangebote von verifizierten Drittanbietern werden durch das Jobbüro identifiziert und koordniert. 
  • Wie sieht die Betreuung in der Transfergesellschaft aus?
    Jeder Mitarbeiter wird durch den jeweils zuständigen Berater sowie ein Team im JobBüro betreut und gecoacht. In enger Zusammenarbeit werden berufliche Erfahrungen und Fähigkeiten reflektiert und eine individuelle Bewerbungsstrategie erarbeitet, mit der Mitarbeiter schnellstmöglich wieder einen neuen passenden Job finden. Die Karriereexperten prüfen die vorliegenden Qualifizierungen und stoßen sinnvole Weiterbildungsmaßnahmen an. Zusätzlich sucht ein Team im JobService mögliche Stellenangebote heraus. 
  • Wie sind die Möglichkeiten zur Weiterbildung?
    In der TG verfügen Mitarbeiter über ein im Sozialplan festgelegtes Qualifizierungsbudget, das für Angebote zur Weiterbildung oder/und Umqualifizierung eingesetzt wird. Dies erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Permanent prüfen die Ansprechpartner der TG die Qualifizierungsangebote und Fördermöglichkeiten für die individuellen Mitarbeiter.
  • Welche Möglichkeiten haben Arbeitnehmer, wenn sie während der Laufzeit der Transfergesellschaft ein neues Arbeitsverhältnis eingehen möchte?
    Mitarbeiter können das befristete Arbeitsverhältnis mit der TG  vorzeitig kündigen oder den Arbeitsvertrag mit der Rundstedt Transfer GmbH ruhend stellen. 
  • Was ist eine Ruhendstellung? 
    Möchte ein Arbeitnehmer den derzeitigen Arbeitsvertrag ruhend stellen, weil er/sie eine neue Anstellung gefunden hat, wird von beiden Seiten keine Leistung mehr erbracht: Der Arbeitnehmer stellt seine Arbeit ein (in der TG ist das die Arbeit an der beruflichen Neuorientierung) und der Arbeitgeber zahlt keinen Lohn (Transferkurzarbeitergeld plus eventueller Aufstockung) mehr. Die Ruhendstellung kann bei Bedarf, wenn der Arbeitnehmer zum Beispiel ein Praktikum absolviert hat oder das neue Arbeitsverhältnis nicht fortführen kann/möchte, wieder aufgehoben werden.
  • Welche Regelungen gibt es bezüglich einer Ruhendstellung? 
    Während der Laufzeit der TG können mehrere Ruhendstellungen beantragt werden. Insgesamt darf die Dauer der Ruhendstellung maximal sechs Monate betragen. 

Fragen zum Ende der Transfergesellschaft

  • Was passiert bei Ende der Transfergesellschaft?
    Konnte ein Mitarbeiter während der Zeit in der TG nicht vermittelt werden, muss er sich rechtzeitig spätestens drei Monate vor Ablauf seines befristeten Arbeitsvertrages mit der Rundstedt Transfer GmbH bei der zuständigen Agentur für Arbeit gemäß § 38 SGB Ill arbeitsuchend melden. 

    Erfolgt diese Meldung nicht fristgemäß, führt dies zu einer Sperrzeit und einer Minderung der Anspruchsdauer auf Arbeitslosengeld.
  • Besteht Anspruch auf Arbeitslosengeld?
    Wenn eine Vermittlung bis zum Ende der Zeit in der TG nicht gelingt, erhält der betroffene Mitarbeiter Arbeitslosengeld (ALG I). 
  • Wie berechnet sich das Arbeitslosengeld (ALG I) nach Abschluss der Transfergesellschaft?
    Das ALG I nach der TG bezieht sich auf das in den letzten zwölf Monaten bezogene Bruttoentgelt. Die Höhe des Bruttogehalts in der TG entspricht der Höhe des zuvorbezogenen Bruttogehalts. 

    Die Beschäftigungsdauer in der TG beeinflusst die Höhe des Arbeitslosengeldes also nicht: Mitarbeiter, die nicht in die TG übergehen, sondern direkt in die Arbeitslosigkeit, erhalten ebensoviel, wie Mitarbeiter, die zuvor in der TG waren. 

    Die Bezugsdauer des ALG I richtet sich nach Alter und Beschäftigungsdauer der Mitarbeiter. 
  • Erhält der Mitarbeiter von der Transfergesellschaft eine Arbeitsbescheinigung?
    Nach Ablauf der TG erhalten die Mitarbeiter im Folgemonat eine Arbeitsbescheinigung. Diese wird automatisch an die Bundesagentur für Arbeit übermittelt, es sei denn der Mitarbeiter möchte dies nicht. Dann geht die Arbeitsbescheinigung direkt zum Mitarbeiter.
  • Hat eine gezahlte Abfindung nach Ablauf der Transfergesellschaft und Übergang in die Arbeitslosigkeit Auswirkungen auf die Höhe des Arbeitslosengeldes oder die Bezugsdauer? 
    Eine Abfindung wirkt sich nicht auf die Höhe des Arbeitslosengeldes aus. Es sei denn die Abfindungszahlung dient dazu, die Kündigungsfrist zu reduzieren.

Fragen für Arbeitgeber

  • Wie wird die Transfergesellschaft finanziert?
    Die Transfermaßnahme wird bei Erfüllung bestimmter Kriterien durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert (Nutzen Sie unsere Checkliste: Staatliche Förderung von Transfermaßnahmen). Der größte Anteil der Fördersumme fließt in das Transferkurzarbeitgeld, das mindest 60 % des zuletzt verdienten Bruttoentgehalts der Arbeitnehmer beträgt. Regelmäßig stocken Arbeitgeber das Transferkurzarbeitergeld auf bis zu 85 % auf. 

    Für den Arbeitgeber fallen zudem Kosten für Sozialversicherung und Verwaltung sowie Beratung und Qualfizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter an. Die Bundesagentur für Arbeit kann die Maßnahmen zur Qualifizierung bis zu 50 % unterstützen.

    Mit von Rundstedt lässt sich die Transfergesellschaft in der Regel kostenneutral finanzieren.
Musterrechnung

Musterrechnung

Der Musterrechnung liegen folgende Eckdaten zugrunde:

  • 81 Mitarbeiter mit einem Durchschnittsgehalt von 2.225 EUR
  • 4 Monate Kündigungsfrist

Die Gesamtsumme der Kündigungsfrist-Gehälter beläuft sich auf 721.000 EUR. Hinzu kommen bei betriebsbedingten Kündigungen potenzielle Rechtsstreitkosten in Höhe von ca. 15 % der Gehältergesamtsumme (Erfahrungswert). Im Vergleich dazu liegen die Kosten für das Transfermodell einschließlich der Qualifizierungskosten (1.000 EUR pro Mitarbeiter) nicht einmal auf der Höhe der Gehältergesamtsumme.

  • Wie lange dauert die Gründung einer Transfergesellschaft?
    Um eine TG zu gründen, sind einige formale Schritte wie die Meldung bei der Bundesagentur für Arbeit notwendig. Mit einer preofessionellen Unterstützung ist es möglich, eine TG in nur wenigen Wochen aufzusetzen und die Mitarbeiter zu einem zuvor definierten Stichtag zu übernehmen.  
  • Was ist ein (Transfer-) Sozialplan? 
    Ein Sozialplan regelt die Interessen aller Beteiligten einer Betriebsänderung. Ziel ist es, die zu erwartenden wirtschaftlichen Nachteile der Änderung für die Arbeitnehmer auszugleichen. In einem Transfersozialplan werden zusätzlich die Fördermaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit verhandelt und festgeschrieben.