Wie digitale Produkte Karriere- und Personalentscheidungen absichern

Ein Interview mit Dr. Christoph Tempich

Daten und Technologien erlangen in allen Lebensbereichen eine immer größere Bedeutung. Was auch auf der Welt passiert, digitale Produkte ermöglichen die Fortführung von Arbeit, Lernen und sozialen Kontakten. Die Digitalisierung macht vor keiner Branche und keinem Unternehmensbereich Halt. In welchen Bereichen der Arbeitswelt digitale Produkte einen besonderen Nutzen stiften, erklärt Dr. Christoph Tempich. 

WO ENTLASTEN UND VERBESSERN DEINER MEINUNG NACH DIGITALE PRODUKTE DEN ARBEITSALLTAG? 

Dr. Christoph Tempich: Digitale Produkte sollten in erster Linie dem Menschen dienen und nicht der Mensch den digitalen Produkten. Daher begreife ich digitale Technologien immer vor dem Hintergrund, was machen Menschen besonders ungern und worin sind Menschen auch einfach nicht so gut.

Zwei grundlegende Arbeitsbereiche fallen dabei ins Auge: Gleichförmige, sich wiederholende Tätigkeiten und Informationsverarbeitung von sehr vielen und gleichartigen Informationen. Also zum Beispiel einen Prozess immer wieder wiederholen, oder in einer großen Menge von Informationen die relevanteste heraussuchen. 

    Tätigkeiten mit diesen Eigenschaften können digitale Produkte verbessern und so die Arbeit des Menschen dahingehend verändern, dass sich der Mensch auf Dinge konzentrieren kann, in denen er besonders gut ist, zum Beispiel:

    • Interaktion mit Menschen
    • Empathie
    • Kreativität
    • Abstraktion 

    Die Dynamik am Arbeitsmarkt nimmt zu

    Unternehmen stehen vor neuen Herausforderungen und müssen Anpassungen vornehmen 

     Unternehmen haben den Mitarbeitern Kreativität und Problemlösefähigkeit abgewöhnt.

    Dr. Christoph Tempich: Aus meiner Perspektive stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, dass sie ihren Mitarbeitern Kreativität und Problemlösefähigkeit abgewöhnt haben, weil die Mitarbeiter präzise in gleichförmigen Prozessen arbeiten mussten. Mit den Möglichkeiten der Digitalisierung werden diese Prozesse jetzt automatisiert und die Mitarbeiter brauchen andere Fähigkeiten, z.B. die Fähigkeit, den Prozess zu automatisieren oder die gewonnen Daten zu analysieren. Dies betrifft sowohl diejenigen, die früher die Arbeit gemacht haben, als auch die Führungspositionen. 

    Wie können digitale Produkte Beratung und Umbauprojekte der Unternehmen unterstützen?

    Dr. Christoph Tempich: Digitale Produkte können dabei helfen, das Menschen erkennen, welche Fähigkeiten und Interessen sie haben, welche alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten es gibt und welche Qualifikationen sie dazu benötigen. Und sie können bei der Vermittlung neuer Fähigkeiten unterstützen. Gerade bei der Suche nach alternativen Tätigkeitsfeldern können digitale Produkte dabei helfen, den Blick über den Tellerrand hinaus werfen zu können. Niemand kann alle Stellenanzeigen gleichzeitig lesen. 

    Maschinen können außerdem dabei helfen, Stellen über Branchen und Funktionsgrenzen hinaus zu finden, die ähnliche Anforderungsprofile haben. 

    Auch bei der Auswahl von Qualifizierungsmaßnahmen kann die Aggregation der Erfahrung vieler Mitarbeiter – auch über Unternehmensgrenzen hinweg – dabei helfen, bessere Qualifizierungsentscheidungen zu treffen. 

    Leseempfehlung: Immer mehr Unternehmen erkennen, dass Sie aufgrund von umfassenden Transformationen nicht umhin kommen, die vorhandene Belegschaft für die anstehenden Aufgaben zu qualifizieren, statt Personal auszutauschen. Welche bevorstehenden Veränderungen und Maßnahmen auf die Unternehmen zukommen, erklärt Attila Khan:  Qualifizierung statt Personalumbau

    Einsatz von digitalen Produkten in Veränderungsprozessen

    welche digitalen Lösungen Sind bei von Rundstedt schon im Einsatz und welche sollen zukünftig etabliert werden?

    Dr. Christoph Tempich: Mithilfe unserer digitalen Produkte unterstützen wir unsere Klienten dabei, informierte Karriereentscheidungen zu treffen. Wir bieten zahlreiche (virtuelle) Workshops und Informationen an, um sich auf dem Arbeitsmarkt leichter zu orientieren und im Bewerbungsprozess herauszustechen. Den Bewerbungsprozess unterstützen wir digital, damit der Klient jederzeit den Überblick behält. Wir arbeiten gerade daran, dass der Klient auch mobil jederzeit weiß, wo er im Beratungsprozess steht und welche Schritte vor ihm liegen.

    Mithilfe unserer digitalen Produkte unterstützen wir unsere Klienten dabei, informierte Karriereentscheidungen zu treffen.

     

    Darüber hinaus möchten wir den Klienten ermöglichen, digitale Dienste, wie z.B. Stellenvorschläge, Skillanalysen oder Qualifizierungsmaßnahmen einfach in den Beratungsprozess zu integrieren.Die einfache Bedienbarkeit und Auswahl ist uns dabei besonders wichtig. Deswegen werden wir hier in Zukunft einen Marktplatz anbieten, auf dem der Klient einfach digitale Dienste auswählen kann. 

    Digitale Produkte für Projektverantwortliche

    Neben den digitalen Angeboten für unsere Klienten, arbeiten wir aber auch an Produkten für die Unternehmen, die uns beauftragen. In diesem Bereich bieten wir Dashboards an, damit die Projektverantwortlichen auf Unternehmensseite jederzeit auf dem aktuellen Stand sind. Außerdem helfen wir Unternehmen auf Basis unserer Erfahrungen, die besten Maßnahmen auszuwählen und Vorhersagen über den Verlauf verschiedener Maßnahmenbündel zu treffen. Also z.B. welche Qualifizierungsmaßnahmen besonders gut angenommen werden, wenn sie mit welchen Kommunikationsmaßnahmen flankiert werden unter Berücksichtigung der Alters und Ausbildungssituation der Belegschaft. 

    Kundenbedürfnisse im Zentrum der Entwicklung digitaler Produkte

    Vorteile und Herausforderungen

    Dr. Christoph Tempich: Ein wesentlicher Vorteil von digitalen Produkten ist, dass man sie relativ einfach anpassen kann. Im Gegensatz zu physischen Produkten müssen dazu nicht erst große Produktionsanlagen oder Werkzeuge erstellt werden. 

    Das bedeutet für mich aber auch, dass wir in enger Abstimmung mit unseren Kunden auf ihre Anforderungen und Bedürfnisse eingehen können und müssen. Für uns ist es deshalb wichtig, in kontinuierlichem Kontakt mit unseren Kunden zu stehen. Dabei versuchen wir, die zugrundeliegenden Bedürfnisse zu identifizieren und kreative Lösungsalternativen zu entwickeln. Diese stellen wir unseren Kunden vor und wählen die besten Ideen für die tatsächliche Umsetzung aus. Dabei behalten wir die übergreifende Vision – also dem Klienten bei der Entscheidung für den nächsten Karriereschritt zu helfen – immer im Blick. 

    Über den Autor
     

    Dr. Christoph Tempich

    Dr. Christoph Tempich arbeitet als Director Digital bei der v. Rundstedt & Partner GmbH. Er ist verantwortlich für die digitale Transformation, digitale Produkte und alle internen IT-Systeme bei von Rundstedt. Unter seiner Leitung aktualisierte von Rundstedt sein Kundenportal, automatisierte Prozesse und hat datengetriebene Angebote wie Kundenreportings neu aufgesetzt. Vor seinem Wechsel zu von Rundstedt arbeitete Christoph als Chief Data Economist bei der inovex GmbH und als Consultant bei der Detecon GmbH. Er beriet seine Kunden zu den wirtschaftlichen Aspekten der digitalen Transformation mit einem strategischen Blick auf die Datenökonomie. Darüber hinaus unterstützte er Unternehmen bei der Definition von Datenprodukten, der Verbesserung ihrer digitalen Geschäftsmodelle und der Umsetzung von digitalen Transformationsprogrammen. Dr. Tempich promovierte 2006 an der Universität Karlsruhe, wo er über Anwendungen der künstlichen Intelligenz forschte.

    E-Mail: tempich@rundstedt.de

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