Alternative Vorruhestandsregelung: Das Brückenmodell für rentennahe Jahrgänge

von Christian Summa

Müssen Unternehmen ihre Personalkosten senken, ziehen sie in der Regel auch Vorruhestandsmodelle in Erwägung. Denn gerade Mitarbeiter in den rentennahen Jahrgängen beziehen oft hohe Gehälter und sind für Unternehmen teuer. Ein attraktives Instrument ist das sogenannte Brückenmodell (auch bekannt als Rentenbrücke), das in Kombination mit einer Transfergesellschaft eingesetzt wird. Dieses ist eine gleichermaßen sozialverträgliche wie kosteneffiziente Möglichkeit, sich von älteren Mitarbeitern zu trennen.

Vorruhestandsmodelle bei Personalabbau

Ältere Arbeitnehmer über 55 Jahren erweisen sich bei einem groß dimensionierten Personalabbau häufig als Herausforderung: Sie haben auf dem Personalmarkt schlechte Chancen und kämpfen entsprechend hart um ihren Arbeitsplatz. Auch sind ältere Mitarbeiter durch die Sozialauswahl oft besser geschützt und werden nach Sozialplan zuletzt entlassen. Vorruhestandsregelungen sind hier ein probater Weg, eine Einigung zu erzielen. Denn ein finanziell abgesicherter frühzeitiger Ruhestand hat für viele ältere Arbeitnehmer durchaus seinen Reiz.  

Es gibt unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten: 

Insbesondere für Arbeitnehmer um die 60 lassen sich mit etwas steuerrechtlichem Geschick erstaunlich attraktive Lösungen erarbeiten: Je nach Ausgangslage ist es möglich, ihnen durch Zahlung einer moderaten Abfindung bis zum Renteneintritt fast ihr gewohntes Netto-Einkommen zuzusichern – ohne Renteneinbußen. Der Austritt aus dem Unternehmen sowie die Höhe der Abfindung für den rentennahen Arbeitnehmer werden in einem Aufhebungsvertrag schriftlich geregelt.

Sozialpläne können – anders als der Interessenausgleich – auch über eine Einigungsstelle erzwungen werden. 

Brückenmodell in Kombination mit einer Transfergesellschaft

Besonders attraktiv für Unternehmen und Arbeitnehmer kurz vor der Rente ist das Vorruhestandsmodell in Kombination mit einer Transfergesellschaft.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Vorruhestandsmodellen ist dabei das Ziel, dass die Arbeitnehmer – trotz des fortgeschrittenen Alters – wieder einen neuen Job finden.

Sollte die Jobsuche jedoch nicht erfolgreich sein, sind sie bis zum Eintritt in die gesetzliche Rente durch Arbeitslosengeld I und Abfindungszahlungen des Arbeitgebers finanziell abgesichert. Vor diesem Hintergrund wird die Rentenbrücke auch oft als „Airbag-Modell“ bezeichnet.


Für die Rentenbrücke im Rahmen der Transfergesellschaft gibt es unterschiedliche Gestaltungsoptionen. Hier ein Beispiel:

  • Die Mitarbeiter können im Alter von 58 Jahren aus dem Unternehmen ausscheiden. Sie treten zunächst in die Transfergesellschaft ein – mit dem Ziel, eine neue Beschäftigung zu finden. 
  • Die Mitarbeiter erhalten in der Transfergesellschaft zunächst Kurzarbeitergeld  (min. 60 % des Nettoeinkommens), das durch den Arbeitgeber aufgestockt wird (z.B. auf 80% des Nettoeinkommens). 
  • Anschließend erhalten die Mitarbeiter für maximal 2 Jahre Arbeitslosengeld I  (min. 60 % des Nettoeinkommens). Durch die Abfindung des Arbeitgebers kann das Einkommen während des Bezugs von Arbeitslosengeld aufgestockt werden (z.B. auf 80% des Nettoeinkommens).
  • Mit der Abfindung des Arbeitgebers überbrücken die Mitarbeiter die verbleibende Zeit bis zur Rente als „Privatier“ (z.B. mit 80% des Nettoeinkommens).

Wichtig: Ein Mitarbeiter darf beim Zugang zum Brückenmodell noch nicht rentenzugangsberechtigt sein.


Steuer- und Rentenberatung für den Mitarbeiter

Damit das Brückenmodell für die rentennahen Arbeitnehmer attraktiv ist und die volle finanzielle Absicherung garantiert ist, muss genau gerechnet werden. Steuer- und Rentenberater können dabei helfen, die jeweils beste Vergütungsformel für den Angestellten zu finden. Durch die umfassende Beratung kann außerdem sichergestellt werden, dass der Mitarbeiter am Ende der Brückenzeit abschlagsfrei in Rente geht.

Unsere Erfahrung aus zahlreichen Projekten ist, dass das Brückenmodell bei den meisten älteren Arbeitnehmern sehr gut ankommt. Teilnahmequoten von bis zu 100 Prozent sind keine Ausnahme.

Tipp: Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, Abfindungszahlungen so zu gestalten, dass die steuerliche Belastung sehr gering ausfällt. Fließt die Zahlung zum Beispiel gebündelt, so kann die so genannte „Fünftelregelung“ zur Anwendung kommen. Dabei wird der Steuersatz so berechnet, als wäre nur ein Fünftel der Abfindung zu versteuern (= geringerer Steuersatz für die gesamte Abfindung). Des Weiteren können Sonderausgaben – Rürup-Rente, Einzahlungen in eine Direktversicherung – gezielt ins Jahr der Abfindungszahlung verlegt werden.


Berufliche Neuorientierung ab 55 in der Transfergesellschaft

Viele Vorruhestandsmodelle zielen darauf ab, rentennahe Arbeitnehmer aus dem Erwerbsleben heraus direkt in die Rente zu begleiten. Das Brückenmodell mit Transfergesellschaft verfolgt einen alternativen Ansatz: Auch ältere Mitarbeiter haben noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt und werden darum genau wie jüngere Mitarbeiter optimal bei der Jobsuche unterstützt und nehmen an Qualifizierungsmaßnahmen teil.

Diese Erwartung stellt auch die Agentur für Arbeit an Arbeitnehmer, die das Brückenmodell nutzen. Weil der Arbeitnehmer finanzielle Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung empfängt (Transferkurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld I), muss er im Gegenzug weiterhin dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und sich aktiv um eine Stelle bemühen.

Tipp: Erfahren Sie hier mehr darüber, wie eine Transfergesellschaft funktioniert. Was ist eine Transfergesellschaft?

Vorteile der Rentenbrücke für Unternehmen

  • Das Unternehmen profitiert beim Brückenmodell in Kombination mit der Transfergesellschaft von Einsparungen bis zu 60 % bei den Personalkosten der rentennahen Mitarbeiter. 
  • Durch die Zeit in der Transfergesellschaft (mit Transferkurzarbeitergeld) ist das Brückenmodell oft günstiger als klassische Altersteilzeitmodelle oder das Wertguthabenmodell.
  • Das alternative Vorruhestandsmodell ist für rentennahe Mitarbeiter sehr attraktiv und damit ein effektives Mobilisierungsinstrument.
  • Im Gegensatz zur Altersteilzeit verlassen die Mitarbeiter beim Brückenmodell mit Transfergesellschaft sofort Ihr Unternehmen (Off-Payroll-Stichtag). Das ermöglicht eine schnelle Reduzierung der Mitarbeiterzahlen.
  • Sofern Kündigungsfristgehälter eingebracht werden, ist die Transfergesellschaft für den Arbeitgeber aufwandsneutral.
  • Da das Ausscheiden freiwillig via 3-seitigem Vertrag erfolgt, besteht kein Klagerisiko. Der dreiseitige Vertrag enthält u.a. den Aufhebungsvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
     

Vorteile des Brückenmodells für Arbeitnehmer

  • Der Mitarbeiter erhält die Chance, ein passendes neues Arbeitsverhältnis aufzunehmen. Unterstützung bei der Stellensuche erhält er in der Transfergesellschaft durch erfahrene Karriereberater. 
  • Finanzielle Absicherung ist durch die Arbeitslosenversicherung (Bezug von Transferkurzarbeitergeld und ALG I) sowie eine attraktive Abfindungszahlung des Arbeitgebers gegeben, falls der Beschäftigte kein neues Jobangebot erhält. 
  • Der Eintritt in die Beschäftigungsgesellschaft „schützt“ den Mitarbeiter vor Sperrfristen und Wartezeiten der Agentur für Arbeit und hat keine negativen Auswirkungen auf den Bezug von ALG I.
  • Garantiertes Nettoeinkommen bis zur Rente: Der Mitarbeiter kann mit monatlichen Zahlungen zwischen 80 % und 95 % des bisherigen Nettogehalts rechnen.
  • Die Beratung durch einen Steuer- und Rentenexperten ermöglicht eine abschlagsfreie Rente nach der Brückenzeit sowie volle Planungssicherheit durch einen individuellen Auszahlungsplan der Abfindung.

Das Brückenmodell ohne Transfergesellschaft

Ist eine Transfergesellschaft in Ihrer Firma nicht möglich, weil beispielsweise durch eine Betriebsvereinbarung in den nächsten fünf Jahren betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind? Auch ohne Transfergesellschaft können Sie Ihren älteren Mitarbeitern eine attraktive Brücke in die Zukunft anbieten. Allerdings erhöhen sich ohne den Bezug von Transferkurzarbeitergeld die Kosten für das Unternehmen, da der Mitarbeiter – unter ansonsten identischen Voraussetzungen – ein weiteres Jahr als Privatier aus der Abfindung heraus finanzieren muss.

Das sogenannte Wertguthabenmodell bzw. Mannheimer Modell ist eine weitere – durchaus beliebte – Option, für ältere Arbeitnehmer die Zeit bis zum Renteneintritt zu überbrücken. Zum Beispiel kann eine Abfindung komplett in ein Wertguthaben einfließen, das bei Austritt aus dem Unternehmen an die Deutsche Rentenversicherung (DRV) übertragen wird. Nachdem der Mitarbeiter 24 Monate Arbeitslosengeld I bezogen hat, kann er anschließend das Guthaben von der DRV als monatliches „Arbeitsentgelt“ abrufen. Weitere Formen der Ausgestaltung sind möglich. Weil es jedoch laut Beschlussfassung der Bundesagentur für Arbeit seit Jahresbeginn 2020 nicht mehr mit einer Transfermaßnahme kombinierbar ist, hat das Wertguthabenmodell zuletzt an Attraktivität für Unternehmen verloren. Denn auch hier gilt: Ohne die staatliche Förderung in einer Transfergesellschaft wird es für den Arbeitgeber oft teuer.

 

Tipp: Laden Sie hier die Checkliste zur staatlichen Förderung der Transfergesellschaft herunter.

Vorruhestandsregelungen im Vergleich

Für Mitarbeiter

Brückenmodell mit Transfergesellschaft Altersteilzeit Wertguthabenmodell
Zugang beliebig gestaltbar Zugang 6 Jahre vor Regelrenteneintritt (max. 8 Jahre) Zugang frühestens ab 50 jahren (Beginn Anspraphase)
Mitarbeiter hört unmittelbar auf zu arbeiten Mitarbeiter ist die halbe ATZ-Dauer weiterhin wie bisher tätig Mitarbeiter hört unmittelbar auf zu arbeiten
Mitarbeiter scheidet unmittelbar aus dem Unternehmen aus Mitarbeiter verbleibt im Unternehmen Mitarbeiter scheidet unmittelbar aus dem Unternehmen aus
Vergütung: Garantiertes Nettoeinkommen (abhängig von Abfindungshöhe und individueller steuerlicher Rahmenbedingungen) Vergütung: Festgelegter Prozentsatz vom bisherigen Netto, mind. 50 % über die gesamte Altersteilzeit hinweg Vergütung: mind. 70% vom 12M-Durchschnitts-Brutto-Gehalt
Sozialversicherung ist z.T. individuell zu regeln Sozialversicherung ist über Anstellungsverhältnis geregelt Sozialversicherung ist z.T. individuell zu regeln
Finanzielle Optimierung durch Steuergestaltung möglich Keine Finanz- / Steueroptimierung Abfindung fließt i.d.R. komplett in Wertguthaben und bleibt bis Auszahlung gebunden
Hinzuverdienstmöglichkeiten uneingeschränkt möglich Hinzuverdienstmöglichkeiten eingeschränkt möglich Hinzuverdienstmöglichkeiten uneingeschränkt möglich
Sozialabgabenfrei   Kein garantiertes Nettoeinkommen,da Steuern & Sozialabgaben für AN- & AG-Anteil erst in der Auszahlungsphase fällig werden

Für Unternehmen

Brückenmodell mit Transfergesellschaft Altersteilzeit Wertguthabenmodell
Unmittelbare Reduzierung des Headcount Formal keine Headcount-Reduzierung, operativ im Passiv-Teil Unmittelbare Reduzierung des Headcount
Sofortige Nachbesetzung (Ringtausch) möglich Nachbesetzung erst zum Eintritt in Passiv-Teil möglich Sofortige Nachbesetzung (Ringtausch) möglich
Einsparpotenzial 50-60% der Brutto-Lohnkosten bis Renteneintritt Einsparpotenzial ca. 30% der Brutto-Lohnkosten bis Renteneintritt Keine Kombination mit geförderten Transfermaßnahmen möglich
    Sozialabgaben für AN- & AG-Anteil müssen bei der Auszahlung berücksichtigt werden

Fazit

Vorruhestandsregelungen sind eine besonders elegante – und vielfach unterschätzte – Möglichkeit des sozialverträglichen Personalabbaus. Solche Regelungen kommen generell für Arbeitnehmer ab 55 Jahren in Betracht.

Das Brückenmodell in Kombination mit der Transfergesellschaft ist für rentennahe Arbeitnehmer und Unternehmen besonders attraktiv und ein effektives Instrument zur Senkung von Personalkosten.

Einerseits ermöglicht das Modell, dass ältere Mitarbeiter zum Stichtag in die Transfergesellschaft wechseln und damit nicht mehr beim Betrieb angestellt sind. Andererseits profitiert der Mitarbeiter von einem garantierten Nettoeinkommen bis zur Rente, falls er keine adäquate Anschlussbeschäftigung finden sollte.

Möchten Sie mehr erfahren?

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie sich eine Rentenbrücke in Ihrem Unternehmen realisieren lässt, sprechen Sie uns gerne unverbindlich an.

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Der Autor

Christian Summa_Workforce Transformation und Personalabbau-Rundstedt

Christian Summa

Christian Summa ist Geschäftsführer der Rundstedt Transfer GmbH und Director Workforce Transformation bei von Rundstedt. Er leitet bundesweit die Kundenbetreuung in Restrukturierungen sowie Personalumbau- und -abbauprojekten. Der Diplom-Kaufmann verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als Führungskraft und Berater bei Restrukturierungs- und Change-Management-Projekten. Vor seinem Einstieg bei von Rundstedt war er in den Branchen Luft- und Raumfahrt sowie Automotive tätig.

Telefon: +49 173 5 49 18 36 E-Mail: summa@rundstedt.de