Mit Improvisationstechniken zu mehr Selbstsicherheit im Bewerbungsgespräch

Über 20 Jahre beim letzten Arbeitgeber und nun stehen Sie vor der Herausforderung, sich auf dem Arbeitsmarkt neu orientieren zu müssen. Unsicherheiten sind in diesem Szenario ganz normal. Zu lange liegt das letzte Bewerbungsgespräch zurück und die Bewerbungsunterlagen sind auch nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Als erfahrene Improtheaterspielerin habe ich mir einige der Techniken aus dem Improvisationstheater zu Nutzen gemacht, um Bewerberinnen und Bewerbern in ihren Vorbereitungen zu unterstützen. In diesem Artikel lernen Sie 5 Techniken kennen, mit denen Sie sicherer und selbstbewusst in die Vorbereitungen anstehender Vorstellungsgespräche gehen. 

 

Tipp 1: Leave your comfortzone

Die meisten Menschen lieben Gewohnheiten und vertraute Umgebungen. Die täglichen Aufgaben sind gefunden, Kollegen und Umgebung bekannt. Das verschafft Sicherheit. Diese Komfortzone zu verlassen, wird mit der Dauer an einem Arbeitsplatz immer schwerer. Ich empfehle Ihnen: Springen Sie über Ihren Schatten und trauen Sie sich. Regelmäßig eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten und Perspektiven. Im Improvisationstheater bringt diese Technik immer wieder spannende Charaktere und Geschichten hervor.

 

Tipp 2: Kleine Fehler erlauben

In der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch empfiehlt es sich, die Gedanken zu sortieren und eine kurze Vorstellung vorzubereiten, zum Beispiel in Form eines 90-Sekunden-Spots. Folgende Stolperfalle sollten Sie jedoch beachten. Im Training des 90-Sekunden-Spots erlebe ich häufig, dass Klienten einen Aspekt ihres 90-Sekunden-Spots vergessen – gar nicht schlimm. Beim Gegenüber entsteht erst eine Irritation, wenn Sie Ihre Fehler am Ende erwähnen „XY wollte ich eigentlich auch noch sagen.“ Sie sind der Drehbuchautor, Regisseur und auch die Hauptperson Ihres Interviews. Nur Sie kennen das Drehbuch. Auch Schauspieler improvisieren und halten sich nicht immer an das Skript.

 

Tipp 3: Ja, genau!

Ich habe in meinem Berufsleben schon viele „ja aber…“ gehört. „Ja aber“ werden Sie nun denken, Einwände können doch auch berechtigt sein. Klar können sie das. Aber versuchen Sie mal eine Geschichte zu erzählen, in dem Sie alles, was Sie vorher gesagt haben, mit „ja aber“ negieren. Sie werden kaum vom Fleck kommen. „Ja genau“ dagegen hilft, weiterzudenken, Lösungen zu entwickeln und damit die eigene Kreativität anzuregen. Und das immer zunächst ohne innere oder äußere Zensur. Die kann dann immer noch beim Reality Check kommen!

 

Tipp 4: Status = Haltung

„Man kann nicht nicht kommunizieren“. Paul Watzlawick war ein kluger Mann. Im Impro-Bereich nutzen Schauspieler diese Weisheit und setzen ihre Körpersprache in Mimik und Gestik ein, um besonders ausdrucksstark zu sein. Bereits Nuancen können eine Wirkung beim Gegenüber auslösen und Emotionen vermitteln. Probieren Sie es aus: Stellen Sie sich aufrecht und mit geradem Kopf hin. Wie fühlt sich das an? Körpersprache kann die eigene Stimmung und die Wahrnehmung der anderen intensiv beeinflussen. Wenn Sie in einem Vorstellungsgespräch aufrecht und lächelnd sitzen, strahlen Sie Selbstbewusstsein aus. Treten Sie Ihrem Interviewpartner positiv gegenüber, ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass auch Ihr Gesprächspartner mit einer positiven Haltung in das Gespräch geht.

 

Tipp 5: Heiter scheitern 

Aufstehen, Krone richten und weiter geht es.“ „Was uns nicht umbringt macht uns stärker.“ Es gibt viele dieser Weisheiten, denn Fehler gehören zum Leben dazu. Jede Herausforderung, der wir uns stellen, bringt uns ein Stück weiter und wir gehen schlauer daraus hervor. Deshalb: Nehmen Sie jede Erfahrung im Bewerbungsprozess auch als Lernprozess wahr und scheitern Sie heiter und mit einer Portion Gelassenheit, wenn mal etwas schief läuft.

Über die Autorin

Anati Olzinger

Senior Learning & Development Expert

Anati Olzinger ist Senior Learning & Development Expert bei von Rundstedt. Sie unterstützt Unternehmen bei der Durchführung von größeren Personalabbauszenarien. Dabei fungiert sie als Spezialistin für Transfermaßnahmen. Die diplomierte Wirtschaftsjuristin (FH) und Mediatorin verfügt über langjährige Beratungs- und Projekterfahrung in der Personalberatung und -entwicklung.

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