Transfergesellschaften spielen eine wichtige Rolle, wenn Unternehmen Personalabbau sozialverträglich gestalten und Restrukturierungen erfolgreich umsetzen wollen. Die Praxis zeigt, dass ihr Erfolg nicht allein von rechtlichen Rahmenbedingungen abhängt, sondern ebenso von einer frühzeitigen Planung, der Einbindung aller Beteiligten und einer transparenten Kommunikation. Welche Faktoren dabei entscheidend sind, welche Rolle Transfergesellschaften in Restrukturierungen und Insolvenzen spielen und worauf Unternehmen bei ihrer Umsetzung besonders achten sollten, erläutert ein erfahrener Arbeitsrechtler aus erster Hand.
Seit über 30 Jahren begleitet Joachim Zobel mit Leidenschaft Restrukturierungen aus arbeitsrechtlicher Perspektive. Seine Stärke liegt darin, rechtliche Rahmenbedingungen mit betriebswirtschaftlichen und personalwirtschaftlichen Anforderungen der Umsetzung eng zu verzahnen. In seinen Mandaten betreut er regelmäßig Transfergesellschaften und übernimmt interimistisch die Personalleitung zur Restrukturierung.
Warum transfergesellschaten an bedeutung gewinnen
von Rundstedt:
Wie hat sich die Rolle der Transfergesellschaft im Insolvenzkontext der vergangenen Jahre gewandelt?
Joachim Zobel:
In den letzten Jahren war es gar nicht notwendig, über Transfergesellschaften nachzudenken. Es ging vielmehr darum, den Kernbereich der Mitarbeiter mit ihrem Know-how im Betrieb zu halten. Der Markt hat dafür gesorgt, dass die Mitarbeiter ihnen abgesogen werden. Wenn der Mitarbeiter nicht mehr die Sicherheit im bisherigen Unternehmen hatte, hat er den Kopf hochgehoben und wurde vom Markt aufgenommen.
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die wir gegenwärtig erleben, ist es jedoch anders. Nun wird auch im Insolvenzbereich wieder viel stärker das Instrumentarium der Transfergesellschaft eingesetzt werden. Momentan kommt die Transfergesellschaft bei uns im Bereich der außergerichtlichen Restrukturierung noch viel stärker als im insolvenzrechtlichen Bereich zum Einsatz. Das lag aber auch daran, dass es bislang noch viele Investoren gab.
von Rundstedt:
Was bedeutet es für die Rolle von Transfergesellschaften, wenn insolvente Unternehmen keine Käufer mehr finden?
Joachim Zobel:
Hier kommen wir tatsächlich zur Frage der Sinnhaftigkeit einer Transfergesellschaft. In dem Moment, in dem ich ein Marktaustrittsszenario habe, weil ich keinen Investor finde, werde ich auch keine Finanzierung für eine Transfergesellschaft realisieren können.
Mit der Konsequenz, dass in den Fällen, in denen ich Marktaustrittsszenarien von mittelständischen Betrieben habe, es sehr häufig gar nicht möglich ist, wirtschaftlich eine Transfergesellschaft darzustellen. Zweifellos wäre es sehr wünschenswert, die betroffenen Mitarbeiter zu unterstützen. Das ist aber eine politische Frage, wie sinnvolle Instrumentarien finanziert werden könnten.
Ist eine Transfergesellschaft das richtige Instrument für Ihr Unternehmen?
Nicht jede Restrukturierung erfordert dieselbe Lösung. Mit unserem kostenfreien Selbstcheck prüfen Sie in wenigen Minuten, ob eine Transfergesellschaft für Ihre Ausgangssituation sinnvoll sein kann.
von Rundstedt:
Schauen wir einmal näher auf die Situation der Mitarbeiter in einer insolventen Firma und in einem Unternehmen, das sich außergerichtlich restrukturiert. Wo liegen die wichtigsten Unterschiede?
Joachim Zobel:
Das Insolvenzverfahren zeichnet sich durch das Zeitmoment aus. Es startet mit dem Insolvenzantrag und endet überwiegend aufgrund der Privilegierung der Arbeitnehmer durch das Insolvenzgeld in dem Zeitraum, in dem Insolvenzforderungen entstehen. Insolvenzgeld sichert für drei Monate die Entgelte dieser Mitarbeiter.
Ganz anders sieht es im außergerichtlichen Restrukturierungsprozess aus. Dort starte ich überwiegend mehr als ein Jahr vor dem Zeitpunkt, an dem die ersten Maßnahmen umgesetzt werden. Dank dieses zeitlichen Vorlaufs kann ich hier andere Programme wie z. B. Freiwilligenprogramme, Perspektivberatung und digitale Plattformen zur beruflichen Neuorientierung einsetzen. Stand heute ist es im Insolvenzkontext so, dass wenn die Zeit und das Geld knapp werden, sich die Chancen auf all die Werkzeuge verringern, die verhindern sollen, dass Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit gehen müssen.
von Rundstedt:
An welchen Kriterien ließe sich die Entscheidung für oder gegen eine Transfergesellschaft festmachen?
Joachim Zobel:
Die Entscheidung, ob man eine Transfergesellschaft möchte, sollte neben den finanziellen Spielräumen wesentlich von den Marktbedingungen abhängig gemacht werden. Wenn ich eine Vielzahl von Mitarbeitern auch über andere Maßnahmen in den ersten Arbeitsmarkt bringen kann, braucht es keine Transfergesellschaft.
“Wenn wir uns am Erfolg einer Restrukturierung orientieren, kann die Transfergesellschaft den Betriebsfrieden sichern, weil sie für eine gute Kommunikation und Transparenz mit der Geschäftsführung, den Führungskräften und dem Betriebsrat sorgt. ”
Über die Wertschätzung der Parteien schaffe ich auch eine Transformation des Arbeitnehmers, des Arbeitsverhältnisses und zugleich des Unternehmens umzusetzen. Das ist ein sehr wertvoller Beitrag, den die Transfergesellschaft hier leistet.
Unser Tipp:
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Gemeinsam zum erfolg: Agentur für arbeit, betriebsrat und Anbieter
von Rundstedt:
Welche Rolle spielen Betriebsrat und Gewerkschaft bei der Auswahl des Anbieters der Transfergesellschaft?
Joachim Zobel:
Von der Systematik ist es durchaus richtig, dass alle, die am Restrukturierungsprozess beteiligt sind, immer mit bestimmten Anbietern vorstellig werden, weil sie zu diesen Transfergesellschaften Vertrauen haben. Eine Restrukturierung durchzuführen gegen den Betriebspartner, weil man ihn nicht davon überzeugt hat, dass der Anbieter, den man vorstellt, der bessere ist, ist völlig sinnentleert.
Um ein transparentes Vorgehen zu gewährleisten und Vertrauen zur Arbeitnehmerseite aufzubauen, werden wir dennoch immer einen Beauty-Contest mit zwei oder drei Anbietern beim Auftraggeber und beim Betriebsrat durchführen. Den Betriebsrat bitte ich immer, nicht nur Anbieter A, sondern auch B und C sich anzuschauen und zu erkennen, wo die Unterschiede liegen. Wenn dann im offenen Prozess Anbieter A herauskommt, können wir alle damit leben.
von Rundstedt:
Die Agentur für Arbeit ist ein unverzichtbarer Partner beim Aufsetzen von Transfergesellschaften. Welche Empfehlungen würden Sie Personalern, Arbeits- und Insolvenzrechtlern geben, die ihre erste Transfergesellschaft aufsetzen?
Joachim Zobel:
“Man sollte die Agentur für Arbeit als Freund und nicht als Gegner betrachten.”
Sie hat hier eine besondere Aufgabe, weil im Rahmen von Transfermaßnahmen Fördergelder eingesetzt werden, die nach bestimmten Rahmenrichtlinien einzusetzen sind. Die Agentur für Arbeit möchte so frühzeitig wie möglich eingebunden werden. Das ist aus meiner Sicht ein Erfolgsgarant. Deshalb ist für mich die frühzeitige Einbindung der Agentur für Arbeit das A und O einer vernünftigen und rechtssicheren Umsetzung einer Maßnahme.
von Rundstedt:
Die Agentur für Arbeit hat ihr grünes Licht gegeben. Jetzt soll der Anbieter der Transfergesellschaft ausgewählt werden. Wie bestimmen Sie die Qualität eines Partners für Transfergesellschaften?
Joachim Zobel:
Ich möchte gern nachvollziehen, was die Transfergesellschaft bzw. der Anbieter der Maßnahmen tatsächlich leistet. Ich möchte eine Konzeption sehen und vom Anbieter erklärt bekommen, ob er Erfahrungen mit der Arbeitnehmer-Klientel mitbringt, die von uns in der Restrukturierung zu betreuen ist. Daher hätte ich immer gerne eine Konzeption, die sagt, wie geht der Anbieter in welchen Schritten vor und welche Betreuungsintensität erhalten die Mitarbeiter.
Auch ist es wichtig, die Kalkulationsliste als Anbieter transparent darzustellen, um die wirtschaftliche Zuverlässigkeit nachzuweisen. So kann die kleinste Transfergesellschaft vielleicht die günstigste sein, hat möglicherweise die besten Berater, aber wenn sie die Kalkulationsliste nicht im Griff hat, drohen im Projekt Probleme, die wir alle nicht haben möchten.
Unser Tipp
Erfüllt mein Unternehmen die Kriterien für die staatliche Förderung von Transfermaßnahmen?
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Warum kommunikation und qualifizierung über den erfolg entscheiden
von Rundstedt:
Wie ist Ihr Blick auf das Thema Qualifizierung in Transfergesellschaften?
Joachim Zobel:
Ich werbe für eine realistische Perspektive. Bei den Restrukturierungsmaßnahmen, die außerhalb der Insolvenz liegen, sollte ich schon im Vorfeld der Entscheidung für eine Transfergesellschaft festlegen, wie die Arbeitnehmer durch Qualifizierung für den Wechsel in den externen Arbeitsmarkt unterstützt werden. In dieser frühen Phase sollte bereits Budget investiert werden.
Zugleich sollten sich alle Beteiligten eingestehen, dass in einer Transfergesellschaft nicht die betriebliche Weiterbildung nachgeholt werden kann, deren Chancen in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten nicht genutzt wurden.
von Rundstedt:
Kommunikation wird immer wieder als Erfolgsfaktor in der Restrukturierung aufgeführt, aber was versteckt sich tatsächlich hinter dem wohlfeilen Begriff?
Joachim Zobel:
“Die Kommunikation ist das A und O des Erfolges einer jeden Maßnahme. Hier gilt gerade nicht das Sprichwort: Schweigen ist Gold, sondern Reden ist Gold.”
Der Arbeitgeber ist in der Pflicht, seine Führungskräfte zu ertüchtigen, damit sie den Mitarbeitern erklären können, was gerade passiert und warum sie dieses Mal betroffen sind. Diese Kommunikation muss man beigebracht bekommen. Der zweite Teil ist die offene, rechtzeitige und umfassende Kommunikation mit dem Betriebsrat. Die dritte Säule ist der Anbieter der Transfergesellschaft. Er muss von Anfang an mit eingebunden werden. Nur so schaffe ich das Vertrauen, damit ein Mitarbeiter, der 30 Jahre in einem Unternehmen tätig war, mit dem von Rundstedt-Berater in ein offenes Gespräch über seine berufliche Zukunft gehen wird.
Transfergesellschaft mit der Rundstedt Transfer GmbH
Mitarbeiter, die in eine Transfergesellschaft von der Rundstedt Transfer GmbH übergehen, werden von unseren Karriere- und Arbeitsmarktexpertinnen und -experten ganzheitlich betreut. Wie das aussieht und was es für einen betroffenen Arbeitnehmer bedeutet, in die Transfergesellschaft einzutreten, erklären wir Ihnen in unserem 90-Sekunden-Spot.
Die Zukunft der Transfergesellschaft
von Rundstedt:
Das Ende der Transfergesellschaft ist bereits häufiger vorausgesagt worden. Wie schauen Sie auf ihre Zukunftsaussichten?
Joachim Zobel:
“KI wird nicht in der Lage sein, das soziale Sicherungssystem, was eine Transfergesellschaft bietet, abzulösen.”
Das System der Transfergesellschaft ist in unruhigen Zeiten ein soziales Sicherungssystem, was durch KI nicht gefährdet ist, weil es eine Beschäftigung für maximal zwölf Monate und eine entsprechende soziale Absicherung gewährleistet. Das kann KI nicht ablösen. Die Tätigkeit einer Transfergesellschaft wird sich aus meiner Sicht wesentlich verändern. Sie wird viel mehr auf diese Tools zurückgreifen können, so dass ich viel eher mit der Vermittlung der Mitarbeiter starten kann.
Die Transfergesellschaft wird auch in zehn oder fünfzehn Jahren immer noch bei uns im SGB stehen und benutzt werden, wenn die Möglichkeiten der Finanzierung gegeben sind.
Das sagen unsere Klienten
Mit Transferleistungen haben Sie mehr Spielraum für Ihre Restrukturierung und gestalten den Trennungsprozess sozialverträglich. Müssen Sie zu einem bestimmten Stichtag Personal abbauen? Dann stellt die Transfergesellschaft eine für alle Seiten gewinnbringende Lösungsstrategie dar. Oft erfolgt die Transfergesellschaft auch in Kombination mit einer vorgeschalteten Transferagentur, bei der die betroffenen Arbeitnehmer zunächst Mitarbeitende des Unternehmens bleiben.
Zusammenfassung
- Transfergesellschaften bleiben ein wichtiges Instrument für sozialverträgliche und rechtssichere Restrukturierungen.
- Frühzeitige Planung und die Einbindung der Agentur für Arbeit schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung.
- Transparente Kommunikation stärkt das Vertrauen von Mitarbeitenden, Betriebsrat und Führungskräften.
- Die Auswahl des richtigen Partners entscheidet maßgeblich über Qualität und Erfolg der Maßnahme.
- Qualifizierung kann den Übergang in neue Beschäftigung unterstützen, ersetzt jedoch keine versäumte Weiterbildung.
- Auch in Zukunft werden Transfergesellschaften eine wichtige Rolle bei Transformationen und Personalanpassungen spielen.
Über den Interviewpartner
Rechtsanwalt & Partner, Schultze & Braun
Joachim Zobel ist seit über 30 Jahren arbeitsrechtlich in der Restrukturierung tätig. In seinen Mandanten betreut er regelmäßig Transfergesellschaften und übernimmt interimistisch die Personalleitung zur Restrukturierung.
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